Insektengift-Allergie noch immer zu selten behandelt

 
Insektengift-Allergie noch immer zu selten behandeltDie Gefahren einer Insektengift-Allergie sind nicht zu unterschätzen. Sie kann im schlimmsten Fall tödlich verlaufen. Aber sie kann auch erfolgreich behandelt werden, bevor Schlimmeres passiert. Die Erfolgsaussichten einer spezifischen Immuntherapie (SIT), der einzigen Behandlungsform für Allergien, die an die Ursachen herangeht, sind ausgezeichnet: Sie liegen bei über 85 Prozent. „Trotz der nachweislich guten Verträglichkeit und Wirksamkeit wird eine SIT aber immer noch viel zu selten durchgeführt." Dieses Fazit zog Dr. Franziska Ruëff, Expertin für Insektengift-Allergien an der dermatologischen Klinik der Ludwig Maximilians-Universität in München, anlässlich des 25. Kongresses der European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) in Wien.

Eine Allergie auf Insektengifte äußert sich in einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, meistens auf den Stich einer Wespe oder Biene. Die Folgen können Juckreiz und Hautausschlag an Handflächen und Fußsohlen, Atemnot, Schwindel und Übelkeit oder sogar ein lebensgefährlicher anaphylaktischer Schock sein. Europaweit schwanken die Angaben über die Häufigkeit von Insektengift-Allergien zwischen 0,34 und 7,5 Prozent. Zu schwerwiegenden oder gar lebensgefährlichen Symptomen, wie generalisierten Hautreaktionen und Blutdruckabfall bis hin zu Schock und Herz-Kreislaufstillstand, kommt es bei bis zu fünf Prozent der Bevölkerung. Trotz möglicher lebensbedrohlicher Folgen wird aber nur jeder zehnte Patient mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) behandelt.

Ruëff stellte beim Kongress eine internationale Beobachtungsstudie über die Diagnose- und Therapiegewohnheiten einzelner europäischer Länder vor. Die Studie ergab sowohl regionale Unterschiede in der Verteilung von Wespen- und Bienengift-Allergien als auch Unterschiede in der Verträglichkeit der verwendeten Allergen-Präparate. In Deutschland sind Allergien gegenüber Wespengift häufiger, in Österreich und der Schweiz dagegen überwiegt die Zahl allergischer Reaktionen auf Bienenstiche. In der Studie zeigte sich auch, dass die Präparate zur SIT gegen eine Bienengift-Allergie weniger gut verträglich und weniger wirksam waren als die Präparate gegen eine Wespengift-Allergie. Ein überraschendes Ergebnis der vorgestellten Studie war laut Ruëff eine teils schlechte Therapiebereitschaft auch von Patienten, die deutliche Risikofaktoren aufwiesen. „Im Rahmen unserer Untersuchungen waren nur 80 Prozent der Betroffenen bereit, die lebenswichtige Therapie durchzuführen. Eine bessere und umfangreichere Aufklärung über die Gefahren und die Behandlungsmöglichkeiten auch von Seiten der Hausärzte könnte hier Abhilfe schaffen", sagt die Allergologin aus München.




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