Hypnose, was heisst das überhaupt?
Während einer Hypnosesitzung ist man sich seiner selbst und der Vorgänge, die ablaufen, durchaus bewusst. Auch kann man sich hinterher daran erinnern, was in der Sitzung erlebt wurde. Der veränderte Wachheitszustand erscheint manchen Menschen so, als seien sie "kurz vor dem Einschlafen". In Trance, dem Zustand, der durch eine Hypnoseinduktion erreicht wird, laufen inneren Prozesse in plastischeren, intensiveren Bildern ab als im Wachzustand und die Wahrnehmung von Veränderungen erscheint oftmals als deutlich gedehnt. Die Aufmerksamkeit ist auf die inneren Vorgänge gerichtet, die durch Suggestionen wachgerufen oder verstärkt werden, während die alltägliche Umwelt im Hintergrund verschwindet. Tiefe Trancezustände werden leichter von Menschen erreicht, die besonders lebhafte Phantasien und Vorstellungen entwickeln können oder die Fähigkeit besitzen, sich von einer Sache in kreativer Weise absorbieren zu lassen. Tiefe Trancen sind aber für eine persönliche Veränderung nicht nötig, ja in manchen Fällen sogar eher hinderlich.Physiologisch betrachtet, führt Hypnose nicht zu einem schlafähnlichen Zustand; ein Hypnose-EEG unterscheidet sich von einem Schlaf-EEG. Die EEGs von Trance-, Entspannungs- und Meditationszuständen hingegen unterscheiden sich kaum; auch in anderen physiologischen Größen wurden bisher keine systematischen Unterschiede gefunden. Auffällige Leistungssteigerung, Abbau der moralischen Urteilsfähigkeit und Aufdeckung von Wahrheit oder Lüge werden immer wieder als Ergebnisse von Hypnosesitzungen berichtet. Doch kontrollierte Experimente zeigen, dass diese Phänomene auch ohne Hypnose auftreten und daher nicht von ihr abhängig sind. Insbesondere ist die Hypnose kein Instrument zur Wahrheitsfindung und kein Lügendetektor.
Hypnose eröffnet den Zugang zum kreativen Potential eines Menschen - und genau darauf kommt es für Veränderungen an. Lösungen für menschliche Schwierigkeiten, für Hindernisse, die es zu überwinden gilt, brauchen kreative Prozesse; leider liegen sie allzuoft brach oder werden durch automatisch ablaufende, kognitive Prozesse verdeckt. Hypnose ist eine Methode, mit der man sich an den automatischen Kognitionen, die unseren alltäglichen Wachzustand bevölkern, mit Hilfe von Suggestionen eine Zeit lang "vorbeizuschlängeln" kann. Das kann jedem Menschen gelingen und hängt nicht von der Hypnotisierbarkeit ab; das Erreichen einer Trance, die Veränderungen fördert, ist eine Frage der Kooperation zwischen Hypnotiseur und Klient und nicht eine Frage der Hypnotisierbarkeit. Unter Trance lassen sich störende emotionale Abläufe verändern, indem das kreative Potential freigesetzt wird. Natürlich können in Trance die störenden kognitiven Muster auch direkt oder indirekt bearbeitet werden.
Die Veränderung unter Trance hat etwas Spezifisches: Ihr Motor ist das direkte Erleben, die unmittelbare und eindrückliche Erfahrung, dass etwas "so war" oder "so sein wird" bzw "so sein kann". Dieses Erleben braucht keine weitere Erläuterung, man weiss dann ohne umständliche Erklärung, wie sich Stärke oder Selbstvertrauen anfühlen, man weiß sodann, wie es sich anfühlt, wenn man schmerzfrei oder oder ohne Verkrampfungen ist, man weiß, wie sich verändertes Verhalten auswirken kann.


