Die Behandlung des Asthmas hat die Aufgabe, die einzelnen Fälle abzukürzen und zu mildern sowie die Wiederkehr neuer Anfälle zu verhüten. Ein vortreffliches Mittel, den Anfall zu mildern, ist die Einatmung komprimierter Luft. Allein da hierzu komplizierte Apparate notwendig sind, so läßt sich dieses rationelle Mittel nur äußerst selten in Anwendung bringen. Man muß sich damit begnügen, den Kranken von beengenden Kleidungsstücken zu befreien und im Krankenzimmer für reine, warme und trockne Luft zu sorgen. Zweckmäßig ist es, dem Kranken eine Tasse starken Kaffee oder kleine Portionen von Fruchteis zu reichen. Daneben werden Hautreize angewendet, namentlich warme Hand- und Fußbäder sowie Senfteige, welche man auf die Brust, die Vorderarme und Waden legt. Am sichersten ist die Wirkung der narkotischen Mittel, namentlich des Morphiums und des Chloroforms, welches eingeatmet vorzügliche Dienste leistet und am schnellsten Erleichterung verschafft. Das Rauchen von Stechapfelblättern (käuflich als Stramonium-Zigarren) und das Einatmen der Dämpfe von verbranntem Salpeterpapier gewährt manchmal Hilfe, doch ist der Erfolg kein sicherer. In schweren Fällen ist die Anwendung eines Brechmittels am Platz. Um die Wiederkehr neuer Anfälle zu verhüten, muß der Kranke alle Schädlichkeiten und alle Umstände vermeiden, welche nach seiner persönlichen Erfahrung früher Anfälle bei ihm hervorgerufen haben. Diese Schädlichkeiten und zufälligen Umstände sind bei den einzelnen Individuen überaus verschieden, sie erscheinen häufig wahrhaft barock, und meist ist nicht einzusehen, wie sie einen Anfall hervorzurufen im stande sein sollten. Allein daran darf man sich nicht kehren. Für alle Patienten empfiehlt sich der Aufenthalt in trockner, reiner Luft; staubige, mit Rauch erfüllte Räume, windige Plätze sind zu vermeiden. Auch ist auf eine mäßige Lebensweise und auf nicht zu langen Schlaf zu halten.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2)


