Jungs sind lesefaul
Lesen gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten, die den schulischen Erfolg positiv beeinflussen können. Jedoch ist Interesse und Kompetenz bezüglich des Lesens sehr unterschiedlich auf die Geschlechter verteilt.Während viele Mädchen Lesen als ihre liebste Freizeitbeschäftigung angeben, lässt das Interesse von Jungs schon in der Grundschule nach. Die traditionellen Geschlechterklischees – Jungs rechnen, während Mädchen lesen – finden immer wieder Bestätigung in der Realität. Durch PISA ist zudem als Licht gekommen, dass in Deutschland der Anteil von Jungs, die nur lesen, wenn sie müssen, erheblich höher ist, als in anderen Ländern. Kein Wunder also, wenn sich bei der Leseleistung gewaltige Unterschiede auftun. Jungs sind in viel höherem Maße von Leseschwächen betroffen. Je komplexer dabei die Aufgaben werden, desto besser schneiden die Mädchen gegenüber den gleichaltrigen Jungs ab. Dabei ist das verstehende und sinnstiftende Lesen die Schlüsselkompetenz schlechthin. Ist sie nicht ausgeprägt, ist das oft der Grund für generell schlechte Leistungen in der Schule.
Schon lange versuchen Wissenschaftler zu erklären, warum Mädchen so viel lieber lesen als Jungs. Die neuesten Hypothesen gehen davon aus, dass es dem männlichen Geschlecht an Identifikationsfiguren fehlt, die sie dazu stimulieren, Lesen zu lernen und Lust an der Lektüre zu empfinden. Meistens sind es eben Frauen, die vorlesen: Mütter, Kindergärtnerinnen und Deutschlehrerinnen. So wird von klein auf die Vorstellung geprägt, dass Lesen mit Weiblichkeit zu tun hat.
Lesen muss vor allen Dingen Spaß machen, damit Kompetenzen entwickelt werden können. In diesem Punkt sind sich Forscher einig. Der zweite Grund, warum Jungs weniger lesen, ist die Art der Lektüre: Während sich Jungs mehr für Sachbücher interessieren, bevorzugen Mädchen die erzählende Literatur, letztere wird in den Schulen jedoch ausschließlich behandelt.
Dies birgt allerdings einen weiteren Nachteil: durch erzählende Literatur soll nämlich auch die Sozialkompetenz stärker ausgebildet werden, da sich Leser in die Protagonisten einfühlen müssen.


