Basisuntersuchungen wurden unter anderem erweiterte Parameter zur Lungenfunktion, des Herzens per Ultraschall, Belastungstests (Spiroergometrie) sowie ein Hautkrebsscreening aufgenommen. Etwa 2.000 Probanden haben zudem erstmals mehrere EKG-Serien mit einem Tele-EKG-Gerät per Telemedizin aus ihrer häuslichen Umgebung an das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin gesendet. Die Ergebnisse der Studie werden im kommenden Jahr erwartet. Derweil ist bereits die dritte Wiederholungsphase für die Gesundheitsuntersuchungen mit dem gleichen Probandenstamm in Vorbereitung.

Dramatische demographische Entwicklungen beeinflussen die Gesundheitsversorgung

"Otto von Bismarcks berühmter Ausspruch, <Wenn die Welt untergeht, gehe ich nach Mecklenburg, denn dort geht sie 50 Jahre später unter.>, hat sich längst ins Gegenteil verkehrt", betonte der Greifswalder Internist und Epidemiologe Dr. Henry Völzke. Der Nordosten mit der zur Wende jüngsten Bevölkerung Deutschlands wird bis zum Jahr 2012 das Bundesland mit den ältesten Bewohnern. Der demographische Wandel verläuft hier im Zeitraffer, da neben einer hohen Abwanderung junger Menschen gleichzeitig ein verstärkter Zuzug der goldenen Generation und eine deutliche Zunahme der Lebenserwartung zu verzeichnen ist.

Durch diese Dynamiken wird in Mecklenburg-Vorpommern innerhalb der nächsten zehn Jahre die Entwicklung vorweggenommen, die in den westlichen Bundesländern erst in zehn bis 20 Jahren zu erwarten ist. Der Bevölkerungsschwund und der wachsende Anteil älterer Bürger verschärfen die Herausforderungen an die Sicherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung. Das nordöstliche Bundesland wird somit zur Modellregion für die Konsequenzen des demographischen Wandels auf die medizinische Versorgung. "Die SHIP-Studie ermöglicht einen einzigartigen Blick in den Spiegel der Gesundheitsprobleme von Morgen", betonte Völzke. Für die Krankenversorgung und Gesundheitsprobleme der Zukunft, sowohl aus fachärztlicher als auch organisatorisch-finanzieller Sicht - bietet die Studie eine unverzichtbare Entscheidungs- und Handlungsgrundlage."

Hintergrund Community Medicine (CM)

Community Medicine (Gemeindemedizin) ist eine bevölkerungsbezogene medizinische Wissenschaft mit starkem Praxisbezug. Im Zentrum steht die Analyse, Vermittlung und Bewertung von Gesundheitsdaten auf der regionalen Bevölkerungsebene. Basiswissenschaften der CM sind Human- und Zahnmedizin, Versorgungsforschung (Epidemiologie) und Biometrie, Sozialmedizin, Demographie, Gesundheitspsychologie und Medizinische Informatik. Forschungsschwerpunkte der CM liegen in der analytischen Epidemiologie und Risikofaktorenforschung, Versorgungsforschung, Gesundheitssystemforschung und Transferforschung. Als Ergebnis bevölkerungsbezogener Forschung und Lehre in der Region sollen neuartige Modelle im Bereich der rationalen Gesundheitsförderung, der ambulanten und stationären Versorgung sowie der Rehabilitation und Pflege entwickelt und in die Praxis umgesetzt werden. Ziele der CM sind die Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung und die langfristige Sicherung der medizinischen Versorgung.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://idw-online.de)




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