Was ist Anämie?
Blutarmut (griech. Anämie), im weitesten Sinn sowohl eine Verminderung der normalen Blutmenge als Ganzes (Oligämie) als besonders eine Verminderung der roten Blutkörperchen (Oligocythämie), welche z. B. nach großen Blutverlusten eintritt wenn das Blutwasser ersetzt ist, bevor die normale Zahl roter Blutzellen gebildet worden. Im letzten Fall kreist demnach ein zu wässeriges
Blut in den Gefäßen, und man nennt diese Art der B. deshalb auch Hydrämie. B. entsteht
- als Folgezustand von Blut- und Säfteverlusten,
- als Folge mangelhafter Nahrungs- und schlechter Luftzufuhr,
- auf Grund einer Erkrankung der blutbildenden Organe oder
- aus einer abnormen Anlage und unvollständigen Thätigkeit der Kreislaufsorgane, besonders des Herzens.
Man nennt die B., welche ans einer der beiden ersten
Entstehungsursachen beruht, sekundäre, die auf den beiden letzten beruhende essentielle oder primäre B. Da sich aber in Wirklichkeit eine so strenge Scheidung nur selten aufrecht erhalten läßt, weil häufig mehr als eine Ursache der B. vorliegt, so behandeln wir die akute B., bei welcher Blut als solches durch äußere oder innere Ursachen aus den Adern herausströmt, unter Auswahl Blutung (s. d.), die mehr abgeschlossene vierte Gruppe von Störungen, welche vorwiegend Mädchen in der Entwickelungsperiode befällt, unter Auswahl Bleichsucht (s. d.), die örtliche B. und die vorübergehenden Zustände dieser Art unter Auswahl Blässe (s. d.). Es bleibt demnach übrig
- die B. durch Säfteverlust, schlechthin auch chronische Anämie genannt, welche dadurch entsteht, daß dem Blut fortdauernd so viel seines wichtigsten Bestandteils, des Eiweißes, entzogen wird, daß dasselbe auch bei guter Ernährung nicht ersetzt werden kann. Dies tritt ein bei Personen, welche an lang andauernden Eiterungen leiden, bei Frauen nach langem Stillen des Kindes, bei Nierenkranken, welche viel Auswahl Eiweiß mit dem Harn verlieren, bei Schwindsüchtigen, bei übertriebenen Ausschweifungen und bei allen schweren Fiebern, bei welchen die Eiweißstoffe im Körper schneller verbrannt werden als im normalen Stoffwechsel. Bei langem Bestehen dieser Krankheiten wird die anfangs einfache B. schließlich zur Gehe zu Kachexie (s. d.). Die Behandlung richtet sich lediglich auf das Grundleiden. Ganz verschieden hiervon ist
- die B. solcher Personen, welche ohne anderweitige Krankheiten schlechten hygieinischen Einflüssen ausgesetzt sind. Diese Art der B. befällt beide Geschlechter ohne Unterschied des Alters, und zwar wird der Keim zu derselben häufig schon im frühsten Kindesalter gelegt, wenn das Kind, anstatt mit Muttermilch, mit allerhand künstlichen Surrogaten gefüttert wird, wenn es, anstatt in freier Natur aufzuwachsen, in dumpfigen Kellern und schmutzigen Höfen verdorbene Luft atmet, oder wenn in bessern Verhältnissen jede Stunde, welche die Schule freiläßt, durch privaten Nachhilfeunterricht ausgefüllt wird. In letzterm Fall kann die körperliche lesen Sie weiter