Angst, Lust und Frust

 
Angst, Lust und FrustMan muss heutzutage wohl deutlich zwischen drei Arten der Angst unterscheiden, ihnen entsprechen unterscheidbare Aktivierungen im Gehirn. Erstens gibt es Angst als Alarm- und Warnsystem, das über die Stressachse die Kampf- Fluchtreaktionen aktiviert; zweitens gibt es die Panik, die (vermutlich) ein Alarmsignal des Schmerz- und Trennungssystems ist und drittens kennt man die unkontrollierbare, chronische Bedrohung, die zu Angststörungen und Depressionen führen kann. Bevor es dazu kommt, kann ein Angstsystem bereits jahrelang immer wieder "auf hohen Touren" gelaufen sein, ohne dass dieser Zustand von Betroffenen als Angst identifiziert worden wäre. Entwicklungsgeschichtlich gesehen hat sicherlich die zweite Variante ihre Wurzeln nicht so sehr in äußeren Ereignissen, sondern in einem Zusammenspiel von Veranlagung und frühkindlichen negativen Bindungserfahrungen. Und gerade zu diesem Thema hat die wissenschaftliche Forschung in den letzten zehn Jahren einen rasantem Fortschritt gemacht. Auch für die dritte Variante können nicht nur traumatisierenden Gewalterfahrungen, sondern auch anhaltend negative Bindungserfahrungen grundlegend sein.

Angst ist einer der Gegenspieler der Lust; es gibt noch zwei weitere, den Schmerz und die Frustration. Auf der sprachlichen Ebene kann man Lust und Frust als eine Dimension aufspannen, die von hoch positiv bis hoch negativ reicht. Ebenso kann man mit Annäherung und Vermeidung verfahren. Doch diesem dimensionalen Denken entspricht kein dimensionaler Gehirnprozess, vielmehr handelt es sich um unterschiedliche Prozesse in unterscheidbaren Systemen. Es gibt eine positiv-negativ Bewertung im Form eines ständig ablaufenden Monitoring-Prozesses. Er hat eine spezifische neuronale Grundlage, die im Late Positive Potential (LPP, 650 Millisekunden nach einem Ereignis), das mit dem EEG erfasst wird, einen Indikator hat. Die LPP erscheint 350 ms nach der P300 weiter, die die Identifizierung eines Ereignisses kennzeichnet. Die P300 wird symmetrisch über beiden Gehirnhälften aufgebaut, die LPP stärker rechtseitig, unabhängig davon, ob die Bewertung positiv oder negativ ist. Wie das Identifizieren und das Unterscheiden, so ist auch das Bewerten kein bewusster Vorgang. Er hängt von den Vorerfahrungen eines Menschen und seinem aktuellen Zustand ab und muss zudem gelernt werden: Dass Champagner angenehm schmeckt, ist nicht angeboren. Offenbar ist diese cortical ablaufende Bewertungsfunktion aber etwas anders als das Erlebnis motivierender Lust.

In den 50iger Jahren des 20 Jhd. konnten die Forscher Olds und Milner zeigen, dass durch elektrische Stimulation im lateralen Hypothalamus die Dopaminausschüttung sprunghaft gesteigert wird. Weitere Untersuchungen an Rattengehirnen bestätigten das, man glaubte das Zentrum der Lust gefunden zu haben. Der Sachverhalt stellt sich heute differenzierter dar. Die elektrische Stimulation im lateralen Hypothalamus führt zu einer mächtigen Dopaminerhöhung im Nucleus accumbens. Dopamin weiter ist ein Neurotransmitter des Zentralnervensystems, der in catecholaminergen bzw. dopaminergen Nervenzellen aus Tyrosin entsteht, wobei zuvor ein Zwischenprodukt gebildet wird. Das im Cytoplasma der Nervenzelle entstehende Dopamin wird dann in synaptischen Vesikeln gespeichert. Dopamin bildet zusammen mit Adrenalin und Noradrenalin die Gruppe der Catecholamine. Es ist die unmittelbare Vorstufe von Noradrenalin und Adrenalin sowie der Melanine. Dopamin stellt mengenmäßig 80% aller Catecholamine im Gehirn, wobei jedoch die Zahl der dopaminergen Nervenzellen erstaunlich gering ist (ca. eine Million). Der Abbau von Dopamin in den dopaminergen Nervenzellen führt zu zwei Säuren, die beide im Urin nachweisbar sind. Dopamin hat weitreichenden psychotrope, motorische, hormon-modulierende Wirkungen im Zentralnervensystem und im vegetativen Nervensystem. Dopamin ist also der Stoff, aus dem die Lust besteht.So dachte man bis vor Kurzem. Aber vielleicht ist das nur halb richtig, vielleicht verhilft Dopamin dazu körpereigene Opiate freizusetzen. Außerdem hat eine zu lange anhaltende Dopaminkonzentration auch schädigende Wirkungen und kann einen Beitrag zu psychischen Erkrankungen wie ADHS liefern.

Anatomisch betrachtet gibt es zwei lesen Sie weiter




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