Aus Untersuchungen an Affengehirnen ist bekannt, dass der Nucleus accumbens sensorische Eingangssignale, Bewertungen des Bedürfnisszustandes, emotionale Bewertungen (Amygdalla) und Ortsbezüge (Hippocampus) integriert und dann "stop" und "go"- Entscheidungen initiiiert. Darüberhinaus wird bei selektiven Verstärkungsprozessen Dopamin ausgeschüttet, und zwar schon auf ein Signal hin, also aufgrund einer Information (im Sinne der Informationstheorie !!) und daher noch bevor der lustvolle Akt beginnt. Dieser Vorgang ist uns ganz geläufig: Schon die Vorstellung (Imagination) von Sex erregt. Wie Tieruntersuchungen zeigen, folgt die Verstärkung auch ohne "natürlichen Verstärker" (Essen, Sex), sondern über die Dopaminausschüttung. Dopamin fungiert als Verstärker! Die selektive positive Verstärkung ist über Dopamin vermittelt. Die negative Verstärkung, die beim Nachlassen von Schmerzen und anderen unangenehmen Gefühlen auftritt, indes ebenso! Auch die Bahnung von Flucht- und Vermeidungsverhaltung scheint über die Dopaminausschütting verstärkt zu werden. Dopamin spielt also ein wichtige Rolle im Annäherungs- und im Vermeidungsverhalten, wobei der Nucleus accumbens stark an der Initiierung und der Beendigung von Verhalten beteiligt ist. Vermeidung bezieht sich auf drei unangenehme Emotionen: Angst, Schmerz und Frust. Dabei geschieht die Bahnung dieses Verhaltens so, dass sich das außerhalb der Nervenzellen verfügbare Dopamin an die Rezeptoren der aktivierten Synapsen bindet, was sowohl bei positiven (Lust) als auch bei als negativ empfundenen Reizen (Angst, Schmerz, Frust) geschieht. Beim Herunterregeln, also im gegenläufigen Prozess, ist Acetylcholin wirksam. Es ist sozuagen der Gegenspieler des Dopamin und hemmt das dopaminbestimmte Annäherungsverhalten. Beispielsweise wird beim Essverhalten die Balance zwischen Dopamin und Acetylcholin durch das Appetitzentrum im lateralen Hypothalamus geregelt. Da ein höherer Dopaminspiegel wichtig ist für motiviertes Verhalten, kann es auch zu kompensatorischem Verhalten kommen: Wer abnimmt, beginnt zu Rauchen, und wer mit dem Rauchen aufhört, produziert Essengelüste. In Tierversuchen bewirkt die Einführung einer größeren Menge Acetylcholin währen der Nahrungsaufnahme eine bleibende Aversion gegen das momentan gefressene Futter. Die Dopaminausschüttung bewirkt hingegen, dass besonders gut gelernt und gebahnt wird, was augenblicklich an Erfahrung gemacht wird, denn Dopamin erhöht die Übertragungsbereitschaft der aktivierten Synapsen. Indes ist der Sachverhalt komplizierter, wie sich in Tierexperimenten herausgestellt hat. Das mesolimbisches dopaminerges System scheint wegen seiner Konditionierbarkeit und seinem Anspringen bei imaginiertem Lustverhaltensweisen eher kurzfristig zukünftig ausgerichtet zu sein, was zu motiviertem Verhalten führt. Es gibt jedoch neben der bereits erwähnten corticalen Monitoringfunktion ein weiteres System der Bewertung, zu dem Teile des Hirnstammes, des Kleinhirns und der ventrale Kern des Hypothalamus gehören. Seine Aktivität ist durch GABA und durch Benzodiazepine weiter zu steigern. GABA (γ-Aminobuttersäure) weiter ist einer der wichtigsten hemmenden Transmitter im Gehirn . Die "positiv-negativ"-Bewertung findet also subcortical und cortical statt und ist nicht gleichzusetzen mit der motivierenden Lust, die das Annäherungssystem aktiviert.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://www.wopalm.de)


