Frauen sind öfter depressiv
Frauen erkranken zwei- bis dreimal so oft an einer Depression wie Männer. Genau weiß man den Grund für diesen immer wieder durch Studien bestätigten Befund nicht. Man vermutet aber, dass hierfür eine ganze Reihe von Gründen verantwortlich sind. Neben der bekannten Tatsache, dass Frauen eher über ihre Ängste und Stimmungsschwankungen sprechen und daher bei ihnen eine Depression eher erkannt wird als bei Männern, vermuten Wissenschaftler auch biologische Ursachen. So sind Frauen hormonell bedingt zu bestimmten Zeiten wie vor der Menstruation oder nach einer Geburt anfälliger für eine Depression. Ob Frauen während oder nach der Menopause (Wechseljahre) anfälliger für eine Depression sind, konnte bisher nicht abschließend geklärt werden. Diese größere Anfälligkeit für Depression während der Menopause könnte eventuell auf dem damit verbundenen Östrogenmangel beruhen. Auch die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft spielt sicher eine Rolle. So müssen erwerbstätige Frauen oft die Doppelbelastung von Hausarbeit und Erwerbstätigkeit meistern, während Frauen, die zu Hause bleiben, nicht selten mit dem negativen Image der "Nur-Hausfrauenrolle" zu kämpfen haben.Wenn das Leben sinnlos erscheint ...
Erschreckend auch eine traurige Folge der Depression: Viele depressive Menschen fühlen sich nutzlos oder schämen sich für Ereignisse, die anderen Menschen gar nicht auffallen. Sie entwickeln dabei häufig ein Gefühl der eigenen Wert- und Nutzlosigkeit und sehen in ihrem Leben keinen Sinn mehr. In einer solchen Situation erscheint dem Betroffenen der Wunsch, einfach nicht mehr zu existieren, häufig als einziger Ausweg. Diese Selbstmordgefahr, in der Fachsprache als Suizidgefahr bezeichnet, ist eine häufige, früher oder später auftretende Begleiterscheinung einer Depression. Sie ist ein hohes Risiko für den Patienten. Denn bei der überwiegenden Mehrzahl der rund 12 000 Deutschen, die sich jedes Jahr das Leben nehmen, liegt eine Depression vor.Dabei übersteigt die Zahl der Selbstmorde die der jährlichen Verkehrstoten deutlich. In der Altersgruppe der 15- bis 35-jährigen steht der Suizid nach Unfällen bereits an zweiter Stelle aller Todesursachen. Experten schätzen darüber hinaus, dass die Zahl ernsthafter Suizidversuche um das 10-15 fache höher liegt als die der vollzogenen Selbstmorde. Gerade deswegen ist der Gang zum Arzt so wichtig: Nur er kann feststellen, ob jemand wegen eines Lebensproblems eine Phase der Trauer oder Enttäuschung durchmacht oder ob er an einer Depression erkrankt ist.


