Vom Wesen der Angst

 
Vom Wesen der Angst

Wirkungsweisen von Angst

Bereits vor und vor allem während seiner Geburt erlebt jedes Kind jenen Zustand, in welchem die etymologischen Wurzeln des Wortes Angst liegen. Sowohl das indogermanische „angh“ wie auch der lateinische Begriff „angustiae“ bezeichnen den (seelischen) Zustand von Enge, Beklemmung und Bedrängnis. Jede/r von uns kennt das Gefühl Angst und erlebt es am eigenen Körper. Denn zuallererst ist Angst ein leiblicher Zustand. An unserem Körper merken wir, daß wir Angst haben. Dies macht sich vor allem im Brust- und Bauchraum bemerkbar. Bei Angst halten wir den Atem an bzw. atmen flacher (was wir oft erst bei Nachlassung der Angst bemerken, wenn wir unsere Anspannung in einem kräftigen Schnaufer loslassen), wir können uns auch im Bauchraum verkrampfen, die Verdauung wird miteinbezogen. Angst ist ein sehr elementares Gefühl, das den ganzen Körper betrifft, und auch in der Sprache existieren viele Redewendungen, die diese Leiblichkeit der Angst verdeutlichen: dem einen sitzt die Angst im Nacken, oder der Schreck fährt ihm in alle Glieder, der andere hat vor Angst einen Kloß im Hals oder ihm ist gar die Kehle zugeschnürt. Diesem Gefühl kommt in der Sprache wie auch in der Realität sogar die Macht zu, einen Menschen vor Angst/Schreck tot umfallen zu lassen.

Der körperliche Zustand von Angst ist gekennzeichnet durch einen Anstieg an Erregung und Anspannung, und zu sehen als Reaktion auf die Wahrnehmung von Bedrohung und Gefährdung. Somit stellt uns der Körper seine Reserven bereit, damit wir entweder flüchten oder um uns mit einer aggressiven Handlung verteidigen zu können. Die Skala der Angst reicht vom leichten oft sogar noch als lustvoll erlebten Prickeln bis zur reinen Panik, wo die Anspannung so übermächtig wird, daß sie uns vollkommen lähmt und blockiert. Auch unsere Psyche reagiert auf eine momentan wahrgenommene Gefahr: um schnelles Reagieren zu ermöglichen, schüttet unser Gehirn in Gefahrensituationen das Hormon Adrenalin aus, welches alle bewußten Denkprozesse blockiert. Damit können wir leicht den Überblick verlieren, und unsere Wahrnehmung verändert sich, auch jene von uns selbst, und unser Selbstvertrauen kann leicht erschüttert werden. Auch hier finden sich in der Sprache treffende Wendungen wie „blind vor Angst“ oder „dumm vor Angst“ werden. D.h. unter Angst tritt ein gewisser Identitätsverlust auf, und Angst verändert ebenfalls unsere Beziehungen, denn wenn wir uns hilflos fühlen, übergeben wir gern jemand anderem die Verantwortung, wir geraten leichter in ein Abhängigkeitsverhältnis.

Wie der Körper verfügt auch unsere Psyche über Möglichkeiten, mit Angsterleben umzugehen, den sogenannten Abwehrmechanismen. Im Distanzieren und Rationalisieren verschaffen wir uns z.B. innerlich einen Abstand zum Geschehen und versuchen uns dadurch zu beruhigen, indem wir uns sozusagen selbst zureden oder das „Problem“ zu analysieren beginnen. Andere gängige Abwehrmechanismen sind die Projektion, wo lesen Sie weiter




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