Was is ein Präfrontaler Cortex?
Vor der Beschäftigung mit den Depressionen ist es wichtig einiges über herausragende Stellung des präfrontalen Cortex zu wissen. Recht grob vereinfacht lässt sich feststellen, dass der Neocortex hinter der Zentralfurche mit sensorischen Input und Wahrnehmung beschäftig ist, während die großen Neocortexflächen vor der Zentralfurche mit dem Handeln ausgefüllt sind. Dazu gehören der motorische, der prämotorische, der präfrontale und der anteriore cinguläre Cortex. Dort werden die motorischen Neuronen kommenden Informationen (von Augen und Skelettmuskelbewegungen) gebündelt, gelenkt und ausgeführt. Sprache und Emotionen werden (teils) generiert und ausgedrückt und unbewusste Denkprozesse laufen ab. Menschliches Handel erfordert in einem hohen Maße Vorausplanung, Entscheidungsfindung (in unterschiedlichsten Situationen) und daher kognitive Kontrolle. Dazu müssen Information zwischengespeichert und rasch wieder abgerufen werden und zwar mit einem begleitenden Gefühl von Urheberschaft, das man als eigentliches Kontrollgefühl bezeichnen könnte. Hierbei nimmt der der präfrontale Cortex eine wichtige Stellung ein.Der PFC (präfrontale Cortex), also der vorderste Teil der Großhirnrinde, wird von aufsteigenden Axonen projizierender Neuronen erreicht, die aus dem Thalamus kommen (mediodorsaler Kern). Beinahe alle sensorischen Modalitäten sind auf dem Weg zum Cortex über den Thalamus verschaltet (aber dort nicht untereinander verschaltet), eine Ausnahme bildet der Geruchssinn, der direkt in den olfaktorischen Cortex projiziert. Der PFC ist darüberhinaus weiträumig verbunden (auch reziprok) mit dem mediotemporalen, dem inferotemporalen, dem parietalen und dem prämotorischen Cortex, außerdem ist er mit der Amygdalla und dem Hippocamus verschaltet. Der PFC ist die einzige Gehirnregion des Neocortex, die direkt mit dem Hypothalamus (Hormonausschüttung!) "verkabelt" ist. Keine direkten Verbindungen bestehen hingegen zu den primären sensorischen und motorischen Arealen. Der PFC ist daher in einer herausragenden Position, um Informationen aus allen sensorischen und motorischen Modalitäten zu synthetisieren.
Darüberhinaus sind die Stirnlappen des Neocortex mit den umfänglichen subcorticalen Strukturen verküpft, den Basalganglien (Corpus striatum und Globus pallidum). Diese entwicklungsgeschichtlich weitaus älteren anatomischen Strukturen vermitteln zielgerichtete Bewegungen, motorische Sequenzen (Handlungsanteile) und motorisches Lernen. Aus den tiefen Schichten des Cortex führen Axone direkt ins Striatum, von dort führen Feedbackschleifen über Zwischenstationen (Thalamus) zurück in den Cortex. Krankheiten wie Parkinson oder Huntington ziehen diese Verbindungen in Mitleidenschaft und verursachen schwere motorische Ausfallerscheinungen.


