Was sind Depressionen?
Depressive Episode und sich wiederholende depressive Episode (ICD F32 und F33) sind heutzutage die am häufigsten gestellten psychischen Diagnosen (Hier die traditionellen Einteilungen weiter). Untersuchungen in den USA ergaben, daß 7-10% aller Menschen mindestens einmal im Leben an einer schweren Depression leiden, ungefähr 3% der Bevölkerung fortdauernd depressiv sind und rund 15% der schwer leidenden Patienten sich suizidieren. International wird davon ausgegangen, das ca 20% der Bevölkerung mindestens einmal im Leben an einer klinisch manifesten Depression erkranken. Das Risiko während der Lebensspanne an einer Depression zu erkranken liegt bei Frauen zwischen 10% bis 15% und bei Männern zwischen 5% bis 8%, d.h. Frauen haben eine doppelt so hohe Erkrankungsrate wie Männer. Quellen für die Bundesrepublik geben eine Ein-Jahres-Prävalenz für die Bevölkerung von bei 8,3% an, für Frauen 11,2% und für Männer 5,4%. D.h. jede 9. Frau, der man auf der Straße begegnet, könnte an einer Depression erkranken. Jede zweite Familie in Deutschland ist schon einmal von Depressionen betroffen gewesen, meldete die Ärztezeitung Anfangs April 05. Während die Zahl der betrieblichen Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen in den letzten Jahren konstant gebliegen, ja sogar leicht gesunken ist, ist die aufgrund von psychischen Erkrankungen gestiegen. Depressive Erkrankungen haben darin einen besonders deutlichen Anstieg zu verzeichnen. Laut DAK Gesundheitsreport 2005 beträgt der Anstieg der Ausfalltage aufgrund depressiver Erkrankungen zwischen 2000 und 2004 rund 42%. Depressionen sind meistens episodische und leider auch chronische Erkrankungen, jeder zweite, der eine Ersterkrankung erlitt, bekommt eine zweite und evtl. noch weitere. Nach der dritten Episode liegt die Wahrscheinlichkeit eine vierte zu bekommen bei rund 90%. Derzeit geben die Statistiken nur für ein Drittel der Betroffenen eine anhaltende Gesundung an. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass eine erheblicher Anteil der Betroffenen (rund 15 bis 20%) bei unausreichender Versorgung mehrfach erkrankt oder chronisch erkrankt bleibt und das betrifft beileibe nicht nur die ganz schweren Störungen. (Hier drei einfache Tests und weitere Informationen :: weiter :: weiter :: weiter)Neurobiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass in den Gehirnen von Depressiven bestimmte biochemische Prozesse und neuronale Verschaltungen störungsanfällig sind. Es herrscht in einigen Teilen ein Mangel an Neuromodulatoren und Neurotransmittern, insbesondere an Serotonin weiter und Noradrenalin weiter. Störungen im Dopamin-, Histamin-, Glutaminsäure- und Glycin-Haushalt sind ebenfalls gefunden worden. Aus der Beobachtung, daß antidepressive Psychopharmaka (trizyklische Präparate, MAO-Hemmer, SSRI weiter und duale Antidepressiva, L-Tryptophan-Präparate weiter) den Serotonin- und den Noradrenalin-Spiegel im Gehirn anheben, könnte man schließen, daß ein Mangel an Substanzen die Ursache für die Depressionen vieler Menschen ist weiter. Eine solche These wäre jedoch viel zu schlicht gestrickt. Denn einfache Ursachen gibt es vielleicht nur für Depressionen, die durch organische Erkrankungen wie Tumoren u.a. hervorgerufen werden.
Neben den Auffälligkeiten im Neuromodulatoren- bzw. -transmitterhaushalt sind Störungen der Homöostase gefunden worden: Corticoliberin (CRF), das bei Stresssituationen im Hypothalamus gebildet wird, trägt über die Hypophyse weiter zur die Bildung von Cortisol weiter (in der Nebenniere) bei. Corticoliberin ist in nahezu allen Gehirnregionen (besonders Hypothalamus, Thalamus, Neocortex, limbisches System weiter, Hirnstamm) sowie im Magentrakt und anderen Organen nachweisbar. Bei vielen Depressiven ist der CRF-Spiegel chronisch hoch, mithin auch der Cortisol- und ACTH-Spiegel; die CRF-Regulierung ist gestört. Auf diesen Befunden baut die Stress-Diathese-Hypothese auf. Sie postuliert eine Wechselwirkung zwischen belastender Erfahrung (unkontrollierbarer Stress weiter) und Krankheitsveranlagung (Diathese). Es gibt genetische Merkmale, die vererbt werden und zur Folge haben, dass Synapsen weniger Serotonin oder Noradrenalin zur Verfügung haben oder dass die Hypophysen-Stress-Achse überreagiert bzw. nicht herunterreguliert werden kann. Diese Disposition führt als solche noch nicht zum Einbruch in depressive Phasen, es muss noch eine Erfahrungsgrundlage hinzukommen, beispielsweise frühe traumatische Lebenserfahrungen, Missbrauch oder körperliche Gewalt. Dadurch werden nicht nur eine kurzfristige Stressreaktion (CRF, Cortisol) hervorgerufen, sondern eine langfristige Erhöhung des Gluccocorticoidspiegels bewirkt, für den die Gegenregulierung fehlt. Bleibt diese Aktivität bis ins Erwachsenenalter hinein bestehen, so reichen schon leichtere belastende Faktoren (leichtere Stressoren), um die depressionstypischen Symptome hervortreten zu lassen. Die Hypothese behauptet also eine leichtere Störungsanfälligkeit aufgrund des Zusammenspiels zweier Faktoren, eines genetischen und eines lebensgeschichtlichen. Sie ist weitreichender in ihren Behandlungskonsequenzen als die Mangelhypothese und bietet eine gute Grundlage zum Verständnis bestimmter depressiver Zustände, die nach traumatischen Erfahrungen auftreten (PTBS). Sie reicht jedoch keinesfalls aus, um alle bekannten depressiven Zustände zu erklären.
Länger schon als ein Jahrhundert weiß man, dass eine z.B. durch Unfälle hervorgerufene Schädigung von Gebieten des Frontalhirns zu ziellosem, schwankendem und launenhaft-aggressivem Verhalten führt. Schon 1937 gabe es Stimulationsstudien im orbitofrontalen Cortex, die zeigten, das dieser den Ablauf von Stimmungen beeinflusst. Seit einigen Jahren gibt es konsistentere Annahmen über die Funktionsweise des Präfrontalen Cortex (PFC). Darin spielt sich Wichtiges von dem ab, was wir unserer Persönlichkeit zurechnen; beispielsweise werden im PFC Lebensziele und die Wege bzw. Mittel wie man sie erreichen kann, encodiert. Dazu gehört auch die Fähigkeit an Zielen festzuhalten, wenn Ablenkungen aktiv sind. Es gibt vielleicht eine Arbeitsteilung, im linken PFC werden positive Ziele und Emotionen prozessiert, im rechten eher negative lesen Sie weiter


