Depressionen sind keine Schande und werden oft unterschätzt
Geholfen hat ihr ein offenes Gespräch mit ihrem Diabetologen, dem sie ihren Zustand schilderte. "Ich kann mich noch genau erinnern. In dem Gespräch habe ich mich anfangs erst geschämt, von meinem desolaten Gefühlszustand zu berichten. Also habe ich erst ein wenig herumgedruckst und ihm gesagt, dass ich momentan recht belastet sei, mir der rechte Antrieb fehle und ich schlechter schlafe. Dies sei auch der Grund, warum meine Blutzuckerwerte nicht so gut seien. Da mich mein Arzt sehr gut kennt, hat er mir nur wenige gezielte Fragen gestellt und mir dann auf sehr klare und bestimmte Art mitgeteilt, dass ich an einer Depression erkrankt sei. Dies käme bei Menschen mit Diabetes öfters vor. Außerdem hätte er bereits nach dem letzten Arztbesuch den Verdacht gehabt, dass etwas mit mir nicht in Ordnung sei. Ehrlich gesagt war ich froh, dass ich jetzt endlich wusste, warum sich mein Gefühlszustand so verändert hatte. Gut in Erinnerung habe ich auch noch seine Aussage, dass Depressionen sehr gut zu behandeln seien. Das hat mir Mut gemacht. Mein Arzt hat mir dann Tabletten gegen die Depression verschrieben und gleich einen Termin bei einem Psychotherapeuten ausgemacht, bei dem ich dann Gespräche hatte. Beides hat mir sehr geholfen".Für Prof. Hegerl, Leiter der Depressionsstation an der Psychiatrischen Universitätsklinik München und Sprecher des Kompetenznetzes Depression, ist die Tatsache, dass es Menschen schwerfällt, offen zuzugeben, an einer psychischen Erkrankung zu leiden, gut bekannt. "Gemäß der Devise "Jeder ist mal depressiv" werden Depressionen oft unterschätzt und irgendwo zwischen Schnupfen und Einbildung angesiedelt. In Wirklichkeit aber handelt es sich um eine gefährliche Krankheit, die wie keine andere in fundamentaler Weise die Lebensqualität der betroffenen Menschen beeinträchtigt und nicht selten dazu führt, das gesamte eigene Leben in Frage zu stellen"
Depressionen gehen wie kaum eine andere Erkrankung mit hohem Leidensdruck einher, da diese Erkrankung ins Zentrum des Wohlbefindens und der Lebensqualität zielt. Nach einer erst vor kurzem durchgeführten weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Depressionen mit weitem Abstand vor allen anderen psychischen oder körperlichen Leiden die am schwersten belastende Erkrankung. Gemessen an dem Indikator YLD (years lived with disability), der die Schwere und die Dauer der Beeinträchtigung erfasst, kommt in den entwickelten Ländern den Depressionen die größte Bedeutung zu. Häufigkeit von Erkrankungen: Auch im Vergleich zu Patienten mit Diabetes schildern depressive Menschen eine deutlich höhere Beeinträchtigung.


