Diabetes - Raus aus dem Zuckertief!
Diabetiker, die Insulin spritzen, sollten sich vorsehen, keine Unterzuckerung zu riskieren. Die ist nämlich genauso gefährlich wie ein zu hoher
Blutzuckerspiegel. Wir sagen, wie Sie das Zuckertief vermeiden und worauf es im Notfall ankommt.
Hohe Blutzuckerwerte machen Diabetikern Sorgen. Aus gutem Grund, denn bekommt man die Krankheit nicht in den Griff, nehmen nach und nach die Blutgefäße und das
Nervensystem Schaden. Mit der Zeit drohen Herzinfarkt, Amputationen, Nierenversagen und Erblindung. Solchen Gefahren zu trotzen, ist wichtig, sollte allerdings nicht dazu verleiten, übers Ziel hinauszuschießen und Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu riskieren. Sinkt der Blutzuckerwert nämlich unter die kritische Grenze von 60 mg/dl, kann eine Ohnmacht die Folge sein.
Wenn der Blutzucker abstürzt
Gefährdet sind vor allem
Diabetiker, deren Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr bildet und die das Hormon folglich spritzen müssen, damit der Blutzuckerspiegel sinkt. Je nach Dosierung kann das bedeuten, dass mehr Insulin zur Verfügung steht, als der Körper gerade benötigt, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. So kann es zum Beispiel passieren, dass man weniger Kohlehydrate auf dem Teller hat, als man annimmt, der
Blutzuckerspiegel nach dem Essen also nur moderat ansteigt. Zu reichlich injiziertes Insulin lässt ihn dann abstürzen; der Körper ist nämlich nicht imstande, die Insulinwirkung zu unterdrücken.
Unterzuckerung droht auch, wenn die Bauchspeicheldrüse noch Insulin bildet, die Produktion aber mit Medikamenten, so genannten Sulfonylharnstoffen und Gliniden, zu stark angefeuert wird.
Hormonkonzert macht Leber Dampf
Bei gesunden Menschen drosselt die Bauchspeicheldrüse die
Insulinproduktion, sobald der Blutzucker in den Keller geht und unter 80 mg/dl fällt. Unter 60 mg/dl setzen Nebennieren und Bauchspeicheldrüse Adrenalin und Glukagon frei, zwei Hormone, die als Gegenspieler von Insulin gelten. Sie bewirken auch, dass die Leber ihre
Zuckerspeicher öffnet und selber Zucker herstellt. Bei Bedarf machen Hormone aus der Hirnanhangdrüse der Leber zusätzlich Dampf. Das Problem: Bei Diabetikern, die mit Insulin behandelt werden, funktioniert dieses Notprogramm nicht. Zu viel gespritztes Insulin schmälert nämlich die Wirkung von
Glukagon und Adrenalin, verhindert also, dass die Leber ausreichend Zuckerreserven abgibt. Folglich sind Diabetiker gut beraten, die Insulindosis stets auf den jeweiligen Insulinbedarf abzustimmen und entsprechend zu verändern. Das richtige Maß ist u. a. abhängig von der Ernährung, und zwar nicht allein von den Kohlehydraten, die bekanntlich den Blutzuckerspiegel bestimmen. Zu beachten ist auch, ob eine Mahlzeit viel
Fett enthält, denn es verzögert die Aufnahme der dazu verzehrten Kohlehydrate. Wer vor fettem Essen eine hohe Dosis schnell wirkenden Insulins spritzt, öffnet folglich einer Unterzuckerung Tür und Tor. Denn die Kohlehydrate gelangen nur langsam ins Blut, können mit dem Tempo der Insulinwirkung nicht Schritt halten. Auch Alkohol kann in Kombination mit Insulin zu einer schweren
Unterzuckerung führen. Diabetiker sollten deshalb zum Tröpfchen in Ehren unbedingt
Kohlehydrate wie Salat oder Brot zu sich nehmen, um keine Unterzuckerung zu riskieren.