Erhöhtes Sterberisiko durch Sulfonylharnstoffe?
Sulfonylharnstoffe erhöhen möglicherweise das Sterberisiko von Typ-2-Diabetikern. Dies zeigt eine neue bevölkerungsbasierte Kohortenstudie im Kanadischen Ärzteblatt (CMAJ 2006; 174: 169-74). Zwar waren in erster Linie die heute kaum mehr verwendeten Wirkstoffe der ersten Generation betroffen. Doch auch für den modernen Wirkstoff Glyburid wurde ein erhöhtes Sterberisiko ermittelt.Die Bedenken gegen die Sulfonylharnstoffe bestehen seit den 1970er-Jahren, und sie sind prinzipieller Natur. Sulfonylharnstoffe wirken, indem sie an eine Untereinheit des ATP-sensitiven Kaliumkanals binden und diesen geschlossen halten. Dadurch steigt der Einstrom von Kalzium in die Zelle, was dann wiederum die Exozytose von Insulin fördert. Die Sulfonylharnstoffe der ersten Generation waren jedoch nicht spezifisch für die Betazellen des Pankreas, sie wirkten auch an den Herzmuskelzellen und den glatten Muskelzellen der Gefäßwände. Das hat, wie David Bell von der Universität von Birmingham im US-Staat Alabama im Editorial (CMAJ 2006; 174: 185-6) ausführt, gleich mehrfache negative Auswirkungen. Zum einen sinkt die Koronarreserve, weil die glatten Muskelzellen in den Gefäßen vermindert entspannen. Zum anderen wird ein Phänomen behindert, das die Kardiologen “ischämische Präkonditionierung” nennen. Es beschreibt die Anpassung des Herzmuskels an eine Ischämie: Patienten mit Angina erleiden bei gleich starker Koronarblockade einen kleineren Infarkt als Patienten, bei denen sich der Infarkt ohne vorheriges Ischämie-”Training” ereignet.
Die Phänomene erklären, warum eine erhöhte Sterblichkeit vor allem bei koronar vorgeschädigten Patienten beobachtet wird. Hill zitiert hier eine Fall-Kontroll-Studie an Diabetikern, bei denen notfallmäßig eine koronare Angioplastie (PCI) durchgeführt werden musste. Von den Patienten, deren Diabetes mit Sulfonylharnstoffen behandelt worden war, starben in den ersten 48 Stunden nach der PCI doppelt so viele wie von den Patienten, die ihren Blutzucker durch Ernährung oder Insulin behandelten (JACC 1999; 33: 119-24). Den Einwand, die UKPDS-Studie, eine große prospektive Studie zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus, habe doch keine Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit unter der Behandlung mit Sulfonylharnstoffen ergeben (Lancet 1998; 352: 837-53), lässt Hill nicht gelten, da diese Studie Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen ausgeschlossen hatte. Außerdem seien dort lesen Sie weiter


