Fußprobleme bei Diabetes - Amputationen vermeiden
Dr. Kristina Pralle, 42 Jahre, ist Internistin und LexikonDiabetologin DDG in Berlin. Nach dem Studium in Italien und Berlin folgte die Zeit als Arzt im Praktikum, in der ihr zufällig und vor allem, weil sie einfühlsam mit chronisch Kranken umgehen kann, die Betreuung der Diabetes-Patienten übertragen wurde. Seit 1991 behandelt Pralle Diabetiker, und sah schon in den ersten Jahren viele, die bereits an einem akuten diabetischen Fußsyndrom litten. Daher beschäftigt sie sich seit 1993 intensiv mit dem diabetischen Fuß. Dr. Pralle ist nicht nur Mitglied der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, sondern aufgrund ihres speziellen Interesses dort in der AG-Fuß aktiv und außerdem in der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung (DGfW). Hier engagiert sie sich in einer Arbeitsgemeinschaft, die aktuell ein Konzept für die Ausbildung eines von allen Fachgesellschaften anerkannten und zertifizierten "Wundmanagers" erarbeitet. Dr. Kristina Pralle, selbst bereits in Österreich als "Wundmanagerin" zertifiziert, hat das Motto "Füße zuerst - Amputationen vermeiden" seit vielen Jahren in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt. Anlässlich des Weltdiabetestages 2005 gibt sie dem Diabetes-Portal DiabSite im Interview exklusiv wichtige Hinweise zur Vermeidung von Fußproblemen und Amputationen.DiabSite: Das Thema für den Weltdiabetestag 2005 lautet "Diabetes und Foot Care". Unter dem Motto "Füße zuerst - Amputationen vermeiden" starten rund um den 14. November 2005 Aufklärungskampagnen, denn alle 30 Sekunden wird irgendwo auf der Welt ein Zeh, Fuß oder Bein eines Diabetikers amputiert. Frau Dr. Pralle, warum kommt es bei Diabetikern häufig zu Problemen an den Füßen?
Pralle: Der Diabetiker kann, vor allem aufgrund schlechter Blutzuckereinstellungen und bei langer Krankheitsdauer, eine so genannte Polyneuropathie entwickeln. Das ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, also der Nerven, die vom Körperzentrum entfernt sind. Häufig beginnt die Störung an den Großzehen und breitet sich "strumpfförmig" nach oben aus. Dabei werden immer mehrere Nerven mit verschiedenen Qualitäten geschädigt. Dadurch kann die Empfindsamkeit herabgesetzt beziehungsweise "irritiert" sein, auch Temperatur-, Schmerzempfindung und andere wichtige Funktionen der Nerven können gestört sein.
Die Haut wird trocken, es verkürzen sich Sehnen und Muskeln, die von den betroffenen Nerven versorgt werden, so dass es zum Hohlfuß und im schlimmsten Fall zu schweren Deformationen und Knochenbrüchen im Fußbereich kommt. Ein so genannter LexikonCharcot-Fuß entwickelt sich.
Zwei Phänomene sind entscheidend an der Entstehung des "akuten" diabetischen Fußes beteiligt: Bei Diabetikern kann aufgrund hoher Blutzuckerwerte das Blut nicht mehr gut fließen. Dadurch werden entzündete Stellen nicht ausreichend mit Stoffen versorgt, welche die Entzündung heilen.
Dazu kommt, dass Diabetiker, wenn ihre Nerven geschädigt sind, Schmerzen nicht mehr als solche empfinden. Dadurch nehmen sie zum Beispiel einen Druck des Schuhs auf den Fuß nicht wahr. So entsteht unbemerkt eine Wunde.
DiabSite: Etwa drei bis vier Prozent aller Diabetiker leiden unter dem diabetischen Fußsyndrom. Weltweit treffen nach Angaben der IDF rund 70 bis 85 Prozent aller Fuß- und Beinamputationen Menschen mit Diabetes. Wer lesen Sie weiter


