Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa), was heisst das überhaupt?

Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa)
Das zentrale Merkmal der Bulimie sind Heißhungerattaken, die von den Betroffenen nicht mehr kontrolliert werden können, mit anschließendem Selbstausgelöstem Erbrechen. Diese „Fressanfälle“ werden durch ein unwiderstehliches Verlangen nach Lebensmitteln ausgelöst, die ohne Lust am Essen gierig verschlungen werden. Häufig ist die Auslösesituation durch Momente bestimmt, in denen Gefühle, wie z.B. Versagensangst, Traurigkeit, innere Leere, Einsamkeit, Langeweile nicht ausgehalten, sondern mit Essen bekämpft werden. Nach einem hochkalorischen Essanfall, aber auch schon nach ganz „normalen“ sättigenden Mahlzeiten, erleben sich die Betroffenen als „voll gestopft „ und zu dick.
Die panische Angst vor einer Gewichtszunahme wird durch selbst herbeigeführtes Erbrechen oder durch Missbrauch von harntreibenden und abführenden Medikamenten zu bekämpfen versucht. Für ess- brech- süchtige Frauen ist vordergründig das Körpergewicht von ganz zentraler Bedeutung. Sie sind meist normal- bzw. idealgewichtig, fühlen sich jedoch, ähnlich wie Magersüchtige und latent Esssüchtige, entweder insgesamt oder an bestimmten Körperstellen zu dick und werden von einer verzerrten Körperwahrnehmung geleitet. Die meisten Betroffenen begannen mit einem Kreislauf aus Diäten, Essanfällen und noch strengerem Fasten, bevor sie das Erbrechen entdeckten.
Die Heimlichkeit ist ein für bulimische Frauen ganz wesentliches Merkmal ihrer Krankheit. Für die meisten ist es sehr schwierig, ihre Krankheit öffentlich zu machen. Über Jahre hinweg leben sie ein Doppelleben. Nach außen sieht sowohl ihr Erscheinungsbild als auch ihr Umgang mit dem Essen „normal“ aus. Die Essanfälle finden in aller Heimlichkeit statt, meist nicht am Tisch in der Küche, sondern auf dem Sofa, im Bett, am Fernseher oder beim Lesen. Niemand darf dabei sein, und das Essen als solches wird erst einmal nicht registriert, weil andere Tätigkeiten im Vordergrund stehen.
Das Erbrechen, das zu Beginn als perfekter Ausweg empfunden wurde, wird mit zunehmender Häufigkeit als beschämend und schwächend erlebt. Der Kreislauf Essen – Erbrechen verselbständigt sich, und wird zur immer wiederkehrenden Ohnmachtserfahrung. Viele Betroffene leiden daher unter einem mangelnden Selbstwertgefühl und glauben abnorm zu sein. Sie fühlen sich schuldig, ekeln sich vor sich selbst, hassen ihren Körper und neigen zu Depressionen, bis hin zu Selbstmordgedanken.


