Essen, nicht für jeden etwas Alltägliches!

Das Essen
Essen ist etwas Alltägliches, immer Wiederkehrendes, und scheint auf den ersten Blick das Natürlichste und Selbstverständlichste der Welt zu sein. Es gehört zu den grundlegenden Bedürfnissen des Menschen und ist verbunden mit sinnlichem Genuss und Wohlgefühl. Seit Menschengedenken gehört das gemeinsame Essen zum Ritual des Zusammenlebens.Redewendungen wie „Ich habe dich zum Fressen gern“, „Es kotzt mich an“ oder „So einfach lasse ich mich nicht abspeisen“ zeugen davon, dass Menschen schon immer mit dem Essen eine Vielzahl unterschiedlicher Gefühle in Verbindung gebracht haben. Am deutlichsten kann das bei Säuglingen beobachtet werden. Für sie ist die Aufnahme von Nahrung gleichzeitig Quelle der Sättigung und Fürsorge. Nahrung und Zuwendung sind in diesem Stadium noch identisch.
Im weiteren Entwicklungsverlauf ist für Babies und Kleinkinder von elementarer Bedeutung, die unterschiedlichen Bedürfnisse unterscheiden zu lernen. Dies setzt voraus, dass Eltern aufmerksam für die Bedürfnisse ihrer Kinder sind und nicht bei jedem Schreien des Säuglings automatisch Nahrung anbieten. Auch wenn das Differenzierungsvermögen gut entwickelt werden konnte, kennen die meisten Menschen auch als Erwachsene bestimmte Situationen, in denen Essen mit unterschiedlichen Gefühlszuständen eng verbunden ist. Manchen können Spannungen „auf den Magen schlagen“, so dass „nichts mehr runtergeht“, andere „stopfen sich“ gerade dann „den Bauch voll“ und setzen „Kummerspeck“ an.
Während diese Essstörungen bei den meisten Menschen mit dem Beheben der Probleme wieder vergehen, gibt es inzwischen eine Vielzahl vor allem Mädchen und Frauen, bei denen sich die Essstörung zur Krankheit verfestigt.. Die davon Betroffenen verfügen nicht mehr über die Freiheit, sich angemessen zu ernähren. Neben persönlichen Problemen steht im Vordergrund das kollektive Werturteil, dass Schlankheit für die meisten Menschen der westlichen Industrienationen zur universellen Idealvorstellung des Körpers geworden ist und gleichgesetzt wird mit Schönheit und Attraktivität.
Diesem Schönheitsideal entsprechen zu wollen, bedeutet für die meisten Mädchen und Frauen, sich zu dick zu fühlen und auf Diäten zu setzen, die eine schnelle Gewichtsabnahme versprechen. Obwohl Essprobleme nicht ausschließlich mit Gewichtsproblemen gleichzusetzen sind, kann eine Diät den ersten Einstieg in eine Essstörung bedeuten.


