Beispiel heftiges Drohen, behindert die Kommunikation und macht alles nur noch schlimmer. Im Gespräch mit der Betroffenen kommt es darauf an, sie nicht zu verurteilen, sondern präzise Aussagen zu machen. Man muß einsehen, daß man jemanden nicht zwingen kann, zu essen oder Eßanfälle zu unterlassen. Je mehr Zwang ausgeübt wird, desto zäher wird der Kampf. Die meisten Eßgestörten sind
Perfektionisten. Viele von ihnen haben kaum Fehlschläge erlebt. Manchmal haben die Eltern trotz bester Absichten zu dem Problem beigetragen. Wie? Dadurch, daß sie ihr
Kind zu sehr behütet haben und es gegen alle Anfeindungen abschirmen wollten. Eltern müssen ihrer Tochter vor Augen führen, daß Fehler zum Leben gehören und nicht ihren Wert als Person bestimmen. Wenn Eltern ihrer Tochter verstehen helfen, daß Niederlagen normal sind, vorübergehen und zu überwinden sind, wird sie bei Fehlschlägen nicht am Boden zerstört sein.
Um die Eßstörung überwinden zu können, muß das Mädchen
fühlen, daß es als Individuum respektiert und geschätzt wird. In vielen Familien, in denen eine Tochter oder die Ehefrau eine Eßstörung hat, läßt der
Gedankenaustausch zu wünschen übrig. Eßgestörten fällt es meist schwer, ihre Meinung zu äußern, wenn diese anders ist als die der Eltern oder des Ehepartners. Das gilt besonders für Familien, die nach der Regel leben: "Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann sag nichts." Essen wird zum Mittel, Frustrationen zu verdrängen.