Neue Hoffnung für Gelähmte ?..

Die Rhesusäffchen müssen sich ihren Znüni mit viel Fingerfertigkeit erarbeiten. Gut versteckt liegt das Knabberzeugs in länglichen Vertiefungen einer Schale, sodass es die Äffchen nur herausklauben können, wenn sie das
Futterkügelchen geschickt zwischen Daumen und Zeigefinger einklemmen. Nicht allen vier am Experiment an der Universität Fribourg beteiligten Makaken gelingt das gleich gut. Zwar wurde allen Tieren vorgängig eine einseitige Verletzung des Rückenmarks zugefügt. Doch sieben Wochen später haben sich, wie die Tests nun zeigen, zwei der Affen von der Querschnittlähmung wieder gut erholt.
Ist in den Freiburger Labors ein Wunder geschehen? Keineswegs. Vielmehr ist dem Forscherteam um Eric Rouiller ein riesiger Fortschritt bei der Suche nach einer Therapie für Rückenmarkverletzungen gelungen. Die beiden Affen, die ihre Fingerfertigkeit nach der Querschnittlähmung wieder erlangt haben, wurden nämlich mit einer neuen Antikörper-Therapie behandelt, die durchtrennte Nerven im Rückenmark nach der Verletzung wieder auswachsen lässt. Dies berichtete Rouillers Team letzte Woche auf der Jahrestagung der «Society for Neuroscience» in New Orleans.
Schon in wenigen Jahren könnte die neue Therapie erstmals an querschnittgelähmten Menschen getestet werden, liessen die beteiligten Forscher an der Konferenz durchblicken. Auf einen genauen Zeitpunkt will sich allerdings niemand festlegen, weil dies «zu grosse Hoffnung» schüren würde. «Der Druck von Patientenseite ist enorm», sagt Martin Schwab vom Institut für Hirnforschung an der Universität Zürich.
Die eingesetzten Antikörper stammen aus der Küche von Novartis
Rund 180 Menschen erleiden jedes Jahr in der Schweiz eine Rückenmarkverletzung, die sie ein Leben lang an den Rollstuhl fesselt. Für sie alle gibt es bis heute keine wirksame medikamentöse Therapie. Als einziges Mittel kommt das Steroid Methylprednisolon (MP) zum Einsatz, das die Entzündungsreaktion nach der Verletzung eindämmen soll. Nicht alle Forscher sind allerdings von der Wirksamkeit von
MP überzeugt. Martin Schwabs Team war es, das in jahrelanger Kleinarbeit die wissenschaftlichen Grundlagen für die Affenexperimente lieferte. Die «wundersame» Heilung der Fribourger Affen ist denn auch das Resultat einer beispielhaften Zusammenarbeit mehrerer Forschergruppen. Neben den Teams von Martin Schwab und Eric Rouiller spielt dabei auch Novartis eine wichtige Rolle. Die bei den Affen eingesetzten Antikörper stammen aus der Küche des Basler Pharmaunternehmens. Novartis wird auch die klinischen Tests durchführen und treibt deren Planung derzeit kräftig voran.
Weltweit wird fieberhaft geforscht, um verletzte Nervenfasern zu heilen
Noch vor 25 Jahren wagte kaum jemand davon zu träumen, Rückenmarkverletzungen je wieder heilen zu können. Das Dogma, dass durchtrennte
Nervenfasern in Rückenmark und Hirn sich nicht mehr regenerieren können, schien unverrückbar. Martin Schwab war einer der ersten, der daran zweifelte und 1988 auch erstmals zeigen konnte, dass die Nervenfasern sehr wohl wachsen, wenn nicht Stoffe aus der Umgebung sie daran hindern. Nach jahrelanger, mühsamer Detektivarbeit konnte Schwabs Team vor vier Jahren endlich das zelluläre Stoppsignal in der Isolationsschicht der Nervenfasern, dem Myelin, dingfest machen. Es ist ein Eiweiss auf der Oberfläche des Myelins, das den Nervenfasern signalisiert: «Hier gehts nicht lang!» Dementsprechend taufte Schwab das Eiweiss - und das dazu gehörige Gen - Nogo. Die Idee war dann, das Nogo-
Eiweiss mit einem so
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