Was heisst Cholera?

 
Was heisst Cholera?In der ersten Zeit nach dem Anfall muß noch strenge Diät eingehalten werden: der Kranke muß sich auf flüssige Nahrung, Fleischbrühe mit Schleim, Milch etc., beschränken, sich sorgfältig vor Erkältung, besonders des Unterleibes, hüten und kann erst allmählich zur frühern Lebensweise zurückkehren. - Auch die sogen. C. der Kinder (C. infantum), welche im Sommer in großen Städten geradezu ungeheure Sterblichkeitsziffern erreicht, ist auf abnorme Zersetzung der Nahrung zurückzuführen. Am häufigsten betrifft diese Krankheit Säuglinge jeden Alters, welche künstlich aufgefüttert werden, sowie Kinder, welche schnell von der Mutterbrust entwöhnt worden sind. Die Kinder erbrechen bei dieser Krankheit alles, was in ihren Magen kommt. Die etwa genossene Milch kommt nicht verkäst, wie bei gesunden Kindern, sondern ungeronnen wieder zum Vorschein. Gleichzeitig mit dem Erbrechen werden auch die Ausleerungen abnorm.

Dieselben bestehen aus einer sauer riechenden, grünlichen oder gelblichen Masse, vermischt mit weißlichen Klumpen, später aus wässerigen Ausscheidungen. Die Kinder verfallen dabei sehr schnell, magern ab, das Gesicht wird faltig und greisenhaft, Lippen und Hände sind bläulich und fühlen sich kühl an, es treten krampfhafte Zuckungen ein, und bald folgt der Tod durch Erschöpfung. Der ganze Verlauf der Krankheit drängt sich oft auf wenige Stunden zusammen. Manchmal geht der choleraähnliche Anfall vorüber, und es schließt sich eine leichtere Form des Darmkatarrhs an. Die Behandlung der C. der Kinder hat die doppelte Aufgabe,
  • die einmal eingeleiteten sauren oder sonst schädlichen Gärungen zu hemmen und
  • der Wiederholung solcher Zersetzungen vorzubeugen.
Den ersten Zweck erreicht man zuweilen durch das Erbrechen und die Durchfälle an sich, zuweilen empfiehlt sich die Entleerung mittels der Magenpumpe oder bei kräftigen Kindern durch Abführmittel. Unterstützt wird das Verfahren durch Darreichung von Wein und Mitteln, welche die Zersetzung hemmen, Kreosotwasser, Kalomel etc. in vorsichtigen Gaben, die nur der Arzt bestimmen kann. Die Verhütung fernerer Zersetzungen verlangt sorgfältiges Überwachen der Nahrung; wenn keine Mutter- oder Ammenmilch gegeben werden kann, so muß die Kuhmilch, oder was sonst gegeben wird, jedesmal vor dem Genuß aufgekocht, Gläser, Pfropfen etc. müssen aufs sauberste gereinigt werden. Selbstverständlich sucht man das Kind durch Baden, gute Luft und aufmerksame Pflege möglichst zu kräftigen.

Die asiatische Cholera.

Die asiatische C. (C. morbus, C. orientalis, asiatica, indica, epidemica) hat ihre Heimat in Ostindien. Hier ist sie, wie es scheint, von jeher sowohl in vereinzelten Fällen als auch in kurz dauernden und wenig verbreiteten Epidemien aufgetreten. Aber erst 1817 trat die C. in Indien in größerer, seuchenartiger Ausbreitung auf und fing an, sich auf die Nachbarländer auszudehnen. Am Schluß des Jahrs 1818 war schon die ganze ostindische Halbinsel von der Krankheit durchzogen und furchtbar verheert worden. Die Seuche, deren eigentliche Ursache unbekannt war und blieb, begann fast an jedem Ort, wo sie sich zeigte, mit der äußersten Bösartigkeit, nahm dann an Heftigkeit ab und dauerte meist nur 2-3 Wochen; an einzelnen Orten freilich, z. B. in Kalkutta, hatte sie einen jahrelangen Bestand. Schon damals bemerkte man, daß die Seuche sich vorzugsweise im Verlauf der großen Verkehrswege, der Flüsse und Landstraßen, verbreitete. Von 1817 bis jetzt ist die C. in Indien nie mehr ganz erloschen; sie trat vielmehr bald an diesem, bald an jenem Punkt in großer Ausbreitung auf. Von Indien aus ging die C. zunächst nach Hinterindien, lesen Sie weiter




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