Selbsttoleranz: Mein oder nicht mein
Das Immunsystem unterscheidet zwischen eigen und fremd. Ein einfacher, aber brisanter Auftrag: Wenn diese Unterscheidung nicht gelingt, wird es für uns gefährlich. Das sieht man etwa, wenn der eigene Körper Opfer der Immunabwehr wird. Dann sind Autoimmunkrankheiten die Folge.Lymphozyten, also die weißen Blutkörperchen, werden in speziellen Organen gebildet: in der Thymusdrüse im Falle der T-Zellen und im Knochenmark im Falle der B-Zellen. Dort sind sie während ihrer frühen Entwicklungsstadien vor körperfremden Zellen geschützt. Reagiert ein sich entwickelnder Lymphozyt in dieser Zeit auf eine dort vorhandene Oberflächenstruktur, muss diese Struktur also körpereigen sein. Der betreffender Lymphozyt wird aussortiert, und somit ist sicher gestellt, dass T- und B-Zellen später nur gegen Fremde wirken.
Trotzdem gerät dieses System manchmal aus dem Ruder. Bei der angeborenen Zuckerkrankheit, der Diabetes vom Typ 1, richtet sich zum Beispiel die Immunabwehr gegen die Langerhans`schen Zellen. Diese Zellen der Bauchspeicheldrüse produzieren Insulin – werden sie vom Immunsystem angegriffen, fällt dieser lebenswichtige Regler aus, und der Blutzuckerspiegel kann nicht mehr reguliert werden. Solche Diabetiker sind ihr Leben lang von Insulinzufuhr abhängig.
Ein anderes Beispiel für Autoimmunkrankheiten ist die Muskeldystrophie. Davon betroffene Menschen bilden Antikörper gegen einen Acetylcholin-Rezeptor in ihren eigenen Muskelzellen. Acetylcholin ist ein wichtiger Überträger von Reizen von einer Zelle zur nächsten. Sind die Rezeptoren durch Antikörper blockiert, werden die Muskeln immer schwächer – bis der Kranke sogar zu schwach zum Atmen ist und erstickt.


