Besondere Anfallsbezeichnungen: BNS und Sturzanfälle

BNS-Anfälle
Der Blitzkrampf ist durch eine sehr kurzdauernde
Muskelzuckung charakterisiert, die wie ein Blitz durch den Körper fährt. Dabei vollzieht der Körper in der Regel folgende rasche Bewegungen: eine Beugebewegung des Kopfes und des Rumpfes, ein Auseinanderbreiten und Beugen der Arme und ein Anziehen der Beine. Dieser Anfall zeigt sich am deutlichsten, wenn das Kind auf dem Rücken liegt. Wird das Erscheinungsbild des Anfalls von der Kopf- und Rumpfbeugung bestimmt und fehlen die Bewegungen von Armen und Beinen oder sind sie nur ganz gering ausgeprägt, so spricht man von Nickkrampf. Laufen die unter Blitzkrampf beschriebenen
Bewegungen langsam ab und kommt es zu einem Zusammenführen der Arme vor dem Körper, so dass der Anfall an den Salaamgruß erinnert, so nennt man ihn Salaamkrampf. Alle diese
epileptischen Anfälle neigen dazu, mit kurzen Zwischenpausen in Serien aufzutreten, wobei Serien mit 20 bis 30 Anfällen hintereinander keine Seltenheit sind. BNS-Anfälle werden vor allem morgens nach dem Aufwachen beobachtet. Zwischen den Anfällen weinen die
Kinder häufig. Die BNS-Anfälle, bei denen sich die Kinder zusammen zu krümmen scheinen und anschließend weinen, werden deshalb häufig als Bauchkoliken verkannt.
Sturzanfälle
Die Bezeichnung Sturzanfälle besagt, dass der Patient plötzlich und unerwartet hinfällt. Die Stürze können mehrere unterschiedliche
Ursachen haben:
- weil sich der Körper und insbesondere die Beine durch Muskelanspannung versteifen, wodurch das Gleichgewicht verloren geht (durch tonische Anfälle),
- weil der Körper und insbesondere die Beine jede Spannung und Kraft verlieren (durch atonische Anfälle oder atypische Absencen),
- weil eine plötzliche starke Muskelzuckung dazu führt, dass der Patient zu Boden fällt (myoklonische Anfälle).
Manchmal nickt das Kind nur mit dem Kopf (Nickanfälle) oder es knickt nur leicht in den Beinen ein und richtet sich sofort wieder auf, ohne hinzufallen. Nach tonischen Anfällen tritt kein Nachschlaf ein, oft folgt nur eine kurze Reorientierungsphase. Durch das Hinstürzen kann sich der Betroffene schwer am Kinn, an der Stirn oder am Hinterkopf verletzen, da er im Augenblick des Sturzes keine
Schutzbewegungen ausführen kann. Die Sturzanfälle haben die Neigung, sehr häufig aufzutreten, d. h. ein Kind oder Jugendlicher können mehrmals täglich Sturzanfälle haben. Wegen der hohen Verletzungsgefahr ist es dann für die Betroffenen ratsam, eine Kopfschutzkappe zu tragen.