Fieber (Allgemeinerscheinungen)
Fieber (lat. Febris, von fervere, "glühen", griech. pyr, pyretos, "Feuer, Gluthitze"), eine Störung des Gesamtorganismus, welche wesentlich durch eine abnorme Steigerung des Stoffwechsels mit abnorm hoher Wärmeproduktion im Körper charakterisiert ist. Die Lehre vom F. hat im Lauf der Entwickelung der medizinischen Wissenschaft ungemein zahlreiche Deutungen erfahren. Je nach der herrschenden Schule wurde entweder eine Entmischung der Körpersäfte oder eine Entzündung des Bluts oder krankhafte Äußerungen des Nervensystems als die eigentliche innere Ursache des Fiebers angesehen, immer aber war man darüber einig, daß das F. eine selbständige (essentielle) Krankheit, eine Einheit, welche zwar in mancherlei Gestalt auftreten könne, aber doch stets ein und derselbe krankhafte Vorgang sei. Diese Anschauung von der Essentialität der F. ward erst in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts von Broussais und später in Deutschland von Schönlein bekämpft und beseitigt. Eine genauere anatomische Untersuchung der Leichen von Menschen, welche an fieberhaften Krankheiten gestorben waren, stellte bald heraus, daß auch bei den bisher sogen. essentiellen Fiebern örtliche Störungen verschiedener Organe vorkommen, und man überzeugte sich allmählich davon, daß jedem F. eine Lokalerkrankung zu Grunde liege. Damit wurden die F. ihrer Essentialität entkleidet; man faßte von nun an das F. als eine Teilerscheinung, als Symptom anderweiter krankhafter Prozesse auf und sprach demgemäß nicht mehr von "Fiebern" als einer besondern Klasse von Krankheiten, sondern schlechthin "vom F." als einem Symptom oder richtiger einer Symptomengruppe, welche den verschiedensten Krankheiten eigentümlich und eine Folge derselben ist. Somit kennt die moderne Medizin zahlreiche Krankheiten, welche die verschiedensten anatomischen Organveränderungen als Grundlage haben, und welche alle neben diesen besondern Organstörungen die Summe von Allgemeinerscheinungen aufweisen, die wir F. nennen. Dieses F. be-steht erstens und vor allem in einer Steigerung der Körperwärme, welche schon von den Griechen als das wesentliche Merkmal angesehen wurde (pyr, "Feuer"), später gegen andre Störungen, z. B. des Pulses und des Nervensystems, etwas in den Hintergrund trat, nunmehr aber unstreitig im Vordergrund der ärztlichen Beachtung steht. Die Wichtigkeit der fieberhaften Temperatursteigerung des Körpers beruht einmal auf der außerordentlich zuverlässigen Regelmäßigkeit, mit welcher gerade dies Symptom bei allen fieberhaften Krankheiten auftritt, und zweitens auf der praktisch so sichern Kontrolle, welche wir in der direkten Messung mit dem Thermometer besitzen. Das Thermometer wurde bereits im vorigen Jahrhundert vereinzelt (z. B. von de Haen in Wien) zur Bestimmung der Körpertemperatur bei Fieberkranken angewendet, aber erst seit den 50er Jahren dieses Jahrhunderts hat man, vorzugsweise nach dem Vorgang von Traube und Wunderlich, das Thermometer konsequent zur Diagnose und Beobachtung fieberhafter Erkrankungen herangezogen. Es ist dadurch nicht bloß die Lehre vom F. und von dessen Behandlung, sondern auch die Lehre von der gesamten Wärmeökonomie des Körpers in gesunden wie in kranken Tagen ganz erheblich gefördert worden.
Das F. beginnt gewöhnlich mit einem Stadium des Frostes. Im Anfang des Fiebers zeigt sich der Kranke empfindlich gegen Kälte, er fröstelt und schaudert, selbst wenn er warm gekleidet oder in Betten eingehüllt ist; er hat das Gefühl des Kaltüberlaufenwerdens, namentlich längs der Rückenhaut. Das Frösteln kann stunden- oder selbst tagelang anhalten; es kann sich aber auch steigern und in einen ausgebildeten Frostanfall, lesen Sie weiter


