Tumoren bei Erwachsenen als Folge des Reaktorunfalls

 
Tumoren bei Erwachsenen als Folge des ReaktorunfallsDas staatliche weissrussische Chernobyl Committee in Minsk betont in seiner Einschätzung der gesundheitlichen Lage, "dass weissrussische und ukrainische Wissenschaftler eine Zunahme der Krebserkrankungen an Harn- und Geschlechtsorganen, an Lungenkrebs und Magenkrebs sowohl unter den Liquidatoren als auch unter den männlichen Bewohnern der stark verstrahlten Landstriche befürchten" (16.6). Auf einem international besetzten Kongress in Hiroshima äussert Tumorspezialisten Anfang 2002 die Befürchtung, dass eine Reihe von Krebserkrankungen erst 20 bis 30 Jahre nach dem Reaktorunfall zum Ausbruch kommen werden.

Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Reaktorunfall und der Zunahme anderer Tumorarten neben Schilddrüsenkrebs sieht auch der Direktor des Münchner Otto Hug Strahleninstitutes, Edmund Lengfelder. Er stützt sich auf statistische Erhebungen der Mediziner aus dem Gebiet um das weissrussische Gomel. Dort erkrankten normalerweise 240 von 100 000 Menschen an Krebs. Inzwischen sind es 346 Fälle. In den am stärksten belasteten Kreisen (Rajons) des Gomeler Gebiets, in Wetka, Bragin, Choinikj und Narowlja ist der Anstieg am grössten. Bei Männern betreffen die Tumoren am häufigsten Lunge, Magen, Haut und Prostata. Bei den Frauen sind es vor allem Tumoren von Brust, Gebärmutter, Magen und Haut.

Die Zeitschrift «Swiss Medical Weekly» veröffentlichte im Dezember 2004 einen Bericht vom «Clinical Institute of Radiation Medicine and Endocrinology Research, Minsk, Belarus» der zeigt, dass die Krebserkrankungen zwischen 1990 und 2000 um 40 Prozent angestiegen ist. Die Forscher verwendeten Daten vom Nationalen Krebsregister welches im Jahr 1973 gegründet wurde. Sie verglichen die Krebsraten in der Zeit vor der Katastrophe mit der Zahl der Krebserkrankungen nach dem Reaktorunfall.

Der Brustkrebs bei Frauen nimmt unter den Krebsarten eine Sonderstellung ein. Dieser Tumor hat in den vergangenen 10 Jahren rund um Gomel ständig zugenommen. Die Zahl der Fälle hat sich Ende 1999 im Vergleich zu 1988 verdoppelt (38.2). Der kausale Zusammenhang zwischen dem gehäuften Auftreten dieses Tumors und dem Reaktorunglück ist inzwischen international anerkannt. Epidemiologische Studien vor allem für Frauen, die in den Wochen nach dem Reaktorunfall gestillt haben, sollen diesen Zusammenhang erhärten




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