Jugendliche und Alkohol
Sie sind klein und süß. Und doch ganz und gar nicht harmlos. Die Rede ist von den Alkopops. Seit sie vor zehn Jahren auf den europäischen Markt kamen, hat ihre Bekanntheit und Beliebtheit ständig zugenommen. Leider vor allem unter den Kindern und Jugendlichen. Denn durch ihren süßen fruchtigen Geschmack spürt man den Alkohol kaum. So wird den Jugendlichen, denen ein herbes Bier oder ein harter Schnaps nicht schmecken, der Einstieg in das Alkoholtrinken versüßt. Und das wiederum ist bitter: Denn auf Kinder und Jugendliche wirkt Alkohol bedeutend zerstörerischer als auf Erwachsene. Aber gehen wir der Reihe nach vor.Was sind eigentlich Alkopops?
Der Name setzt sich zusammen aus Alko - eine Abkürzung für Alkohol, und aus Pop - ein umgangssprachlicher englischer Ausdruck für Limonade. Ein Alkopop ist also eine "Alkohol-Limonade". Wir kennen solche Mischungen zur Genüge: Ein Radler ist ein Gemisch aus Bier und Limonade. Für die Berliner Weiße wird dem Bier ein Schuss Himbeer- oder Waldmeistersirup hinzugegeben. Und für einen Campari-Orange wird der bittere Campari mit jeder Menge fruchtigem Orangensaft aufgefüllt.
Neu ist an den Alkopops, dass sie schon fertig gemischt an Tankstellen, Supermärkten, sowie in Diskos und Bars angeboten werden. Und neu ist vor allem auch, dass die Werbung und die Aufmachung gezielt Kinder und Jugendliche erreichen sollen. So guckt einen der "Kleine Feigling" mit großen Augen kindlich und treu an. Fast wie ein liebes Kuscheltier, das man lieb haben möchte. Der unangenehme Nachgeschmack liegt darin, dass dem Wodka, aus dem der Kleine Feigling besteht, ein guter Schuss Feigenextrakt beigemischt wurde: So ist das harte Getränk einfach zu trinken.
Eine andere, aber ebenfalls erfolgreiche Strategie fahren die Marketingstrategen für das Szenegetränk Rigo. Auf ihrer Homepage erhält man Eintritt in eine knisternde erotische Clubatmosphäre im Stil der siebziger Jahre. Absolut der Geschmack der Jugendlichen. Aber ohne das richtige Getränk - in dem Fall Cola mit ordentlich Rum - läuft da leider gar nichts, so die Botschaft auf der Homepage.
Stellen Sie sich jetzt doch einmal einen Heranwachsenden vor: Einerseits noch ein Kind mit all den Bedürfnissen nach Geborgenheit und Wärme. Aber andererseits auf dem Weg zum Erwachsenwerden, belastet mit vielen Unsicherheiten und Schwellenängsten. Die Werbung für die Alkopops greift gezielt die emotionalen Bedürfnisse und die Unsicherheiten der Jugendlichen auf. Und dann verspricht sie schnelle Hilfe. Es geht ganz einfach: "Mit dem richtigen Getränk und mit ein bisschen Alkohol die Ängste verlieren und mit einem Mal dazugehören." Der Erfolg von Alkopops wundert daher nicht. Man könnte sogar sagen: Die Werbeabteilungen dieser Unternehmen kennen die Jugendlichen gut.
Weitere Strategien für Alkopops sehen so aus: Im Namen der jeweiligen Marke werden beispielsweise Musik- und Sportveranstaltungen gefördert. So haben Jugendliche das Gefühl, die Getränke seien extra für sie gemacht. Dies ist ein Trick, um in die Jugendszene Einzug zu halten: Jugendliche können Alkohol trinken wie Erwachsene, aber gleichzeitig können sie sich durch die Produktauswahl lesen Sie weiter


