Krebskranke Kinder in der Schule

1. Vorkommen
Krebserkrankungen sind im Kindesalter eher selten. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1800 Kinder bis zum Alter von 15 Jahren an Krebs. Dies entspricht einem jährlichen Auftreten von ungefähr 13 Erkrankungen bei 100,000 Kindern unter 15 Jahren. Eines von 500 Kindern erkrankt innerhalb der ersten 15 Lebensjahre an Krebs.Die Inzidenzenhaben sich in den vergangenen 10 Jahren in Deutschland nicht nennenswert verändert; gesicherte Einflüsse von Umweltfaktoren, z. B. Kernkraftwerke, Ernährung u.a. auf die Inzidenz sind nicht ermittelt worden.
Die Inzidenz ist stark abhängig vom Alter und vom Geschlecht. Buben und Kleinkinder haben in allen Altersstufen unter 15
Ungefähr die Hälfte aller Krebserkrankungen betreffen Kinder im Alter bis zur Einschulung mit etwa 6 Jahren. Rückfälle bei solchen sehr früh erkrankten Kindern können aber natürlich im Schulalter auftreten.
2. Formen von Krebserkrankungen bei Kindern
Die im Kindesalter vorkommenden Krebsformen unterscheiden sich in vieler Hinsicht von denen des Erwachsenenalters.Am häufigsten sind Krebsformen, deren Ursache schon während der Entwicklung des Kindes im Mutterleib angelegt ist, und Leukämien (Blutkrebs). Diese Krebsformen wachsen schneller als viele Krebsarten des Erwachsenen und verlaufen ohne medizinisches Eingreifen meist innerhalb weniger Monate tödlich.
Andererseits sind sie mehrheitlich mit größerer Aussicht auf eine Heilung auf Dauer behandelbar als Krebsformen des höheren Lebensalters.
Am häufigsten mit ca. 35% sind die Leukämien (bei Kindern fast ausschließlich akute, unbehandelt schnell zum Tode führende Leukämie-Formen) . Danach folgen der Häufigkeit nach Hirntumoren, Tumoren der Lymphknoten (Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome), Tumoren des sympathischen Nervensystems (Neuroblastome), der Nieren (Wilms' -Tumoren), der Weichteile (meist Rhabdomyosarkome) und der Knochen ( vorwiegend Osteosarkome und Ewing-Sarkome). Daneben gibt es noch seltenere Tumorarten (vgl. Abb.2).
Eine für die Praxis bedeutsame familiäre Häufung dieser Krebserkrankungen ist nur sehr selten gegeben.
3. Prognose
Global betrachtet, werden heute 2 von 3 Kindern auf Dauer von ihrer Krebserkrankung geheilt. Die Heilungschance ist im Einzelfall aber höchst unterschiedlich und hängt hauptsächlich von der Art der Erkrankung, ihrem Ausbreitungsstadium, der Therapie und dem Ansprechen auf die Therapie ab. So ist z.B. eine unkomplizierte akute lymphoblastische Leukämie, ein unkompliziertes malignes Lymphom oder ein Wilms' Tumor ohne Absiedelungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% heilbar. Dagegen haben bereits ausgedehnt metastasierte Tumoren, nicht-lymphoblastische Leukämien und schlecht auf die Therapie ansprechende lymphoblastische Leukämien und Lymphome eine deutlich schlechtere Heilungsaussicht. Einige wenige Erkrankungsformen sind auch heute noch unheilbar.Die Erfolgsaussichten der Therapie sind statistisch gesehen meist schon bei Diagnosestellung oder kurz danach abschätzbar und spielen bei den ersten Gesprächen mit den Eltern eine große Rolle. Nichtsdestoweniger ist der Verlauf bei einem individuellen Patienten niemals mit letzter Sicherheit vorauszusehen. Familien fühlen sich deshalb oft über viele Jahre hindurch durch einen möglichen Rückfall bedroht.
Langjährige Verlaufsbeobachtungen erlauben in den allermeisten Fällen die Aussage, dass ein Kind, welches 5 Jahre nach der Erkrankung ohne Rückfall geblieben ist, als geheilt gelten kann. Bei einigen Erkrankungen ist diese Aussage schon früher möglich, bei einigen wenigen anderen kann es auch nach 5 Jahren noch zu einem Rückfall kommen.
Jeder Rückfall der Krebserkrankung eines Kindes verschlechtert die Prognose drastisch (begrenzte Ausnahme: Hodgkin'sche Erkrankung). Ein solches Ereignis ist deshalb eine extreme Belastung für alle Beteiligten.
4. Therapie
Das Ziel jeder onkologischen Therapie bei einem Kind ist die Heilung. Solange diese erreichbar erscheint, ist auch eine extreme Belastung des Kindes durch die Therapie gerechtfertigt. Eine nurpalliative(d.h. Symptom-lindernde) Behandlung ist dagegen beim Kind zunächst nicht angebracht. Diese ist Situationen vorbehalten, in denen keine Heilungschance mehr gegeben ist.Die klassischen Säulen onkologischer Therapie sind : Operation, Bestrahlung, Chemotherapie. Dazu kommen neuerdings immuntherapeutische Ansätze, die sich allerdings von den "immuntherapeutischen Ansätzen" der alternativen Medizin, die
den Beweis ihrer Wirksamkeit bis heute schuldig geblieben sind, qualitativ deutlich unterscheiden.
Bei den Krebsformen des Kindes hat die Chemotherapie wegen ihrer Wirksamkeit meist das größte Gewicht, sie ist aber auch mit den schwerwiegendsten akuten Nebenwirkungen belastet.
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