Mehr als illegal: Doping birgt Todesgefahr
Köln (dpa/lnw) - Zunehmende Erkrankungen von Herz, Leber und Nieren, Veränderungen der Sexualorgane, Depressionen und eine wachsende Zahl von Todesfällen: Die gesundheitlichen Nebenwirkungen und Folgen von Doping sind selten so fundiert, plakativ und gebündelt dargestellt worden wie auf dem internationalen, von der EU geförderten Anti- Doping-Symposium an der Deutschen Sporthochschule in Köln. «Was wir zu den biochemischen Nebenwirkungen gehört haben, zeigt, dass das Wissen darüber ausreichend zugenommen hat», resümierte der Organisator der Tagung, Prof. Horst Michna. Für Athleten, die verbotene Mittel zur Leistungsteigerung nehmen oder nehmen wollen, ist dies eine Botschaft, die viele angesichts der Aussicht auf Erfolg, Ruhm und Geld nicht hören wollten. Neben Stimulanzien, Narkotika und anabolen Steroiden ist die Gesundheit der manipulationswilligen Sportler im besonderen Maße durch Wachstumshormon-Einnahmen gefährdet. «Man kann erwarten, dass die Zahl der Herzinfarkte, Diabetiker, möglicherweise auch Krebskranken unter den Sportlern durch Wachstumshormone steigen wird», warnte Dr. Martin Bidlingmaier. Er gehört zur Forschergruppe um den Münchner Christian Strasburger, die im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein Nachweisverfahren für Wachstumshormone entwickeln soll. Erste Ergebnisse erwartet Bidlingmaier nicht vor Dezember. Eine Gefahr droht den Sportlern nicht nur dadurch, dass sie etwas nehmen. Oft ist nämlich nicht das in der Medikamenten-Packung, was sie gekauft zu haben glauben. Bei der Untersuchung einer auf dem schwarzen Markt erworbenen Schachtel mit angeblichen Wachstumshormonen war nach Angaben Bidlingmaiers in einer Ampulle der angegeben Stoff, in einer weiteren eine Kombination von Präparaten und in der dritten nichts. «Das zeigt, was für Probleme Athleten haben», meinte der Forscher. Und kostspielig seien diese «Hormon- Kuren» auch: Sportler, die einen Monat lang jeden Tag vier Einheiten spritzen wollen, müssen 5000 Mark für regulär zirkulierende Präparate berappen - auf dem Schwarzmarkt kosten Produkte nur ein Viertel.
Die Wissenschaft kann mit immer weit reichenderen Erkenntnissen über die Folgen von Doping und verfeinerten Kontroll-Methoden die verbotene Leistungsmanipulation nur eindämmen helfen. Deshalb blickt Prof. Charles Yesalis von der Universität in Pennsylvania/USA skeptisch in die Zukunft. «Ich bin nicht optimistisch. Es ist zu wenig Geld im Spiel. Wir bräuchten 200 Millionen Mark pro Jahr, um den Kampf gegen Doping voranzubringen, und viel mehr Kontrollen», meinte der Amerikaner. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat 2001 zehn Millionen Mark für Forschungsprojekte zur
Verfügung gestellt. netdoctor 25. Juli 2001


