Betriebliche Suchtarbeit
Mehr als 2,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland sind alkoholabhängig, und mehr als 40 000 Menschen sterben jährlich an den unmittelbaren Folgen ihres Alkoholkonsums. Aus dem "Gläschen in Ehren" wird oft unbemerkt der ständige Griff zur Flasche. Denn eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich in der Regel über fünf bis zehn Jahre hinweg. Sie ist eine chronische Krankheit mit früher oder später tödlichem Verlauf. Besonders problematisch wirken sich Suchtmittel am Arbeitsplatz aus. Gerade hier spielt die Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten eine verheerende Rolle. Statistiken für den betrieblichen Bereich zeigen, dass etwa zehn Prozent der Beschäftigten täglich Alkohol am Arbeitsplatz konsumieren und 52 Prozent gelegentlich während der Arbeitszeit alkoholhaltige Getränke zu sich nehmen. Alkohol ist ein Suchtmittel mit enormen Auswirkungen im beruflichen Alltag: Bis zu 30 Prozent aller Betriebs- und Wegeunfälle sind alkohol- und/oder medikamentenbedingt. Das Unfallrisiko bei einem Blutwert von 0,8 Promille liegt fast fünffach über dem normalen Risiko. Suchtmittel am Arbeitsplatz bergen zudem durch Bedienungsfehler Gefahren für die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch stören sie den Betriebsfrieden, denn Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen fallen am Arbeitsplatz auf: Sie kommen zu spät, fehlen häufig, sind unzuverlässig, labil und gereizt. Suchtexperten weisen darauf hin, dass bei alkoholkranken Menschen mit einer Minderleistung von rund 25 Prozent zu rechnen ist. Die Folgekosten belaufen sich beispielsweise in einem Betrieb mit 1000 Beschäftigten jährlich durchschnittlich auf 750.000 Mark. Das ist ein ernst zu nehmendes betriebswirtschaftliches Problem.Arbeitssicherheit verträgt sich nicht mit Trunkenheit. Ziel im Betrieb sollte daher sein, betroffene Kolleginnen und Kollegen dabei zu unterstützen, aus dem Teufelskreis ihrer Suchtmittelabhängigkeit herauszukommen. Doch Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte fühlen sich im Umgang mit Suchtkranken oftmals überfordert. Obwohl etwa fünf bis sieben Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Betrieben suchtmittelabhängig sind, wird dieses Thema vielfach totgeschwiegen. Problematisch ist dabei das so genannte "Co-Alkoholikerverhalten", bei dem Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzte Fehler des Abhängigen vertuschen. Doch nur konsequentes Vorgehen hilft. Denn lesen Sie weiter


