Haarzell-Leukämie: neue Arzneistoffe?
Die vergleichsweise seltene Erkrankung der Haarzell-Leukämie zählt zu den malignen Non-Hodgkin-Lymphomen mit relativ niedrigem Malignitätsgrad. Hierbei handelt es sich um bösartige Erkrankungen des lymphoretikulären Gewebes mit leukämischen Verlaufsformen, die von pathologisch veränderten B- oder T-Lymphozyten ausgehen. Obwohl die Krankheit zunächst weitgehend beschwerdefrei verläuft, erfordern mögliche lebensbedrohliche Folgen wie Milzschwellung und eine starke Verminderung der Blutzellen aller Systeme dringend eine Behandlung. Mit Cladribin (Leustatin®) kam 1997 ein neues Medikament für diese Indikation auf den Markt.Das Purin-Analogon unterscheidet sich von den bisher verfügbaren Zytostatika im Wesentlichen dadurch, dass es die hierfür empfindlichen Zellen, wie Lymphozyten oder Monozyten, nicht nur in ihrer Wachstumsphase, sondern auch in der Ruhephase angreifen und abtöten kann.
Chemische Klassifikation
Bei Cladribin handelt es sich um das 2-Chloro-2'-deoxy-b-D-adenosin. Es weist ebenso wie das strukturverwandte halogenierte Nukleosidanalogon Fludarabin (Fludara®) ein Adenin-Grundgerüst auf (1)Indikation und Anwendung
Leustatin® ist zugelassen zur Behandlung der Haarzell-Leukämie (2). Die individuelle Dosierung wird vom behandelnden Arzt festgelegt und orientiert sich an dem folgenden Dosierungsschema: Pro kg Körpergewicht erhält der Patient 0,09 mg Cladribin verdünnt in 500 ml 0,9-prozentiger Kochsalzlösung täglich als kontinuierliche intravenöse Infusion über sieben aufeinanderfolgende Tage. Dieser Therapieplan für eine Cladribin-Applikation kommt für einen Patienten grundsätzlich nur einmal zur Anwendung.Das Ausmaß einer Hemmung der Blutbildung sollte während und nach der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden, ebenso sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Leber- und Nierenfunktionswerte erforderlich (2,3).


