Hypnose? WIrd man da manipuliert?

Manipulieren, aber bitte richtig!
Die Angst, die viele Klienten ausdrücken, bezieht sich also offensichtlich nicht auf die Manipulation selbst, die ja geradezu erwünscht ist. Sondern sie bezieht sich vielmehr auf die Möglichkeit, dass der Therapeut irgendwelche Tricks aus der Show-Hypnose anwenden könnte. Diese Angst ist unberechtigt. Aus welchem Grund sollte ein Therapeut Sie auch dazu bringen wollen, in eine Zitrone zu beißen oder mit einem Besen Samba zu tanzen! Eine weitaus berechtigtere Angst ist diejenige, dass der Therapeut seine eigenen Probleme und Wünsche auf den Klienten projizieren könnte.
Dabei geht es noch nicht einmal um die Möglichkeit, dass beispielsweise ein Scientologe oder ein Zeuge Jehovas eine Hypnose-Sitzung zum Missionieren verwenden könnte. So etwas würde vermutlich von den meisten Klienten entlarvt, selbst in tieferer Trance. Nein, die Manipulations-Möglichkeiten sind viel subtiler und werden meistens nicht einmal vom Therapeuten selbst wahrgenommen.
Das Weltbild des Therapeuten
Stellen Sie sich vor, ein Therapeut hat ein Riesenproblem mit Frauen und mit Geld. Glauben Sie, dass dieser Therapeut Sie neutral therapieren kann, sobald es bei Ihnen um Frauen und um Geld geht? Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht!Oder nehmen Sie an, eine Therapeutin wurde als Kind missbraucht. Aufgrund der vielen Diskussionen in einer Selbsthilfe-Gruppe ist sie der Ansicht, dass mindestens jeder zweite Vater seine Tochter missbraucht. Wenn bei Ihnen nun ein noch nicht erhärteter Verdacht auf Missbrauch besteht, glauben Sie dann, dass diese Therapeutin die richtige ist für Sie?
Wie gesagt, der Hund liegt in feinen Unterschieden in den sprachlichen Mustern begraben. Die neutrale Therapeutin wird vielleicht sagen: "Wir gehen zum allerersten Ereignis, das mit diesem Gefühl zusammenhängt, das Sie jetzt im Körper spüren. Beschreiben Sie mir, was Sie sehen." Während es bei der vorbelasteten Therapeutin so klingen könnte: "Beschreiben Sie mir genau, was Ihr Vater tut. Wo berührt er Sie?" Oder: "Angenommen, Ihr Vater hätte Sie unsittlich berührt, wann wäre das zum ersten Mal passiert?" Sehen Sie den Unterschied? Wenn ja, dann möchten Sie jetzt vermutlich wissen, wie Sie es vermeiden können, an einen vorbelasteten Therapeuten zu geraten.


