Anabole Steroide schädigen auch Herz und Gefäße

 
Anabole Steroide schädigen auch Herz und GefäßeProfessor Axel Urhausen, Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes und Lehrbeauftragter am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken, hat die chronische Gesundheitsgefährdung durch Anabolika in einer durch das BISp geförderten Studie erforscht. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im Juli veröffentlicht werden, einige Details hat Urhausen auf dem Doping-Seminar in Saarbrücken vorgestellt. Bekannt sind Nebenwirkungen wie Akne, Haarverlust, Vermännlichung bei Frauen oder Gynäkomastie bei Männern, von der über die Hälfte der regelmäßigen Anabolika-Konsumenten betroffen sind. Bei Männern kann es zudem zu einer Hodenatrophie sowie einer Hemmung der Spermienproduktion kommen. Beobachtet worden sind zudem Prostata-Vergrößerungen bis hin zum Prostatakrebs.

Bei Kindern und Jugendlichen, die Anabolika konsumieren, kommt es zu einem vorzeitigen Schluß der Wachstumsfugen mit der Folge von Kleinwuchs. Auch mögliche Schädigungen der Leber sind bekannt. Dies hänge jedoch von der Molekülstruktur der anabolen Steroide ab, so Urhausen. Manche Präparate seien so verändert worden, daß sie durch die Leber keine Wirkungsabschwächung erführen, das Organ jedoch schwer schädigten. Folgen seien blutige Zysten, Cholestasen bis hin zu Tumoren, die im Einzelfall auch bösartig sein könnten.Die Nebenwirkungen anaboler Steroide auf die Psyche seien wissenschaftlich widersprüchlich, so Urhausen. Zwar fielen Anabolika-Konsumenten durch aggressives Verhalten auf. Doch gebe es hier keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung.

So hätten Studien beispielsweise eine höhere Risikobereitschaft bei Personen belegt, die häufig anabole Steroide nehmen: Sie fuhren öfter ohne Gurt und hatten häufiger als Normalbürger Geschlechtsverkehr ohne Kondome. Der Konsum von anabolen Steroiden hat erhebliche Nebenwirkungen auf Herz und Gefäße, wie Urhausen in seiner Studie festgestellt hat, an der 32 Männer beteiligt waren, von denen die Hälfte etwa vier Jahre, die andere Hälfte durchschnittlich etwa acht Jahre Anabolika konsumiert hatten. So komme es langfristig zu einem Lipidprofil, das Herz und Gefäße schädigt. Dies sei durch die Studie eindeutig belegt worden, so Urhausen: "Das gefäßschützende HDL-Cholesterin wird abgesenkt, gleichzeitig steigt der Anteil des aggressiven LDL-Cholesterins an." Durch Anabolika-Konsum kann es auch zu einem Vasospasmus kommen, führte Urhausen aus. "Dies könnte erklären, weshalb Personen einen plötzlichen Herztod erleiden, ohne daß man später in der Autopsie eine entsprechende Gefäßverkalkung feststellen kann."

Herzwandverdickung nicht durch Krafttraining bedingt

Eindeutig belegt sei, daß es durch anabole Steroide zu einer linksventrikulären konzentrischen Hypertrophie komme. Die kardiale Wandverdickung sei "mit Sicherheit nicht ganz reversibel", so Urhausen. In der Studie habe man auch nachgewiesen, daß sie nicht durch das Krafttraining an sich, sondern eindeutig durch Medikamente bedingt sei. Beobachtet worden seien sowohl diastolische als auch systolische Funktionsstörungen. Ärzte Zeitung, 13.06.2001 Von Pete Smith




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