Anfallsabwehr bei Epilepsien...

 
Anfallsabwehr bei Epilepsien...

Anfallsabwehr

Die Entstehung eines epileptischen Anfalls ist auf eine kurzzeitige Unfähigkeit des Gehirns zurückzuführen, die Erregungsprozesse in den unzähligen Nervenzellen zu kontrollieren. Entweder sind die Aktivierungsprozesse zu stark, oder die Hemmprozesse zu schwach: Es kommt zu einem Ungleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung. Bei fokalen Epilepsien geschieht dies in einem Teilbereich des Gehirns, dem Fokus. Von diesem Ausgangspunkt kann sich dann der Anfall mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ausbreiten (Generalisierung).

Wie schnell sich ein Anfall ausbreitet hängt davon ab, wie schnell sich die weiteren Gehirnzellen "entscheiden, mitzumachen". Diese Phase des beginnenden Anfalls (Aura) wird von den Betroffenen oft wahrgenommen. Sie spüren eine Veränderung in ihrem Körper, in ihrer Wahrnehmung, in ihrem Verhalten usw.

Ziel der Anfallsabwehr ist es:

  • Eine möglichst frühe Wahrnehmung einer Aura zu ermöglichen.
  • Eine auf die Auraempfindungen abgestimmte Verhaltensweise ( "Gegenmittel" ) zu entwickeln und einzuüben.
  • Durch den frühzeitigen Einsatz des Gegenmittels den Anfall abzuwehren
Bildlich übertragen auf einenAnfall, dessen Beginn sich durch ein Kribbeln in der Hand bemerkbar macht, bedeutet das, daß Gehirnzellen, die das Kribbeln verursachen, versuchen, andere zu " überreden ", bei dem Anfall " mitzumachen ". Wenn jetzt als " Gegenmittel " eine Faust geballt wird, wird ein Teil der bereits angesprochenen Gehirnzellen anderweitig beschäftigt. Sie sollen daran gehindert werden, das Kribbeln mit zu verursachen.

Darüber hinaus müssen die angrenzenden Gehirnzellen gegen die Ausbreitung des Anfalls " immunisiert " werden. Dazu werden sie in einem Erregungszustand gebracht, der dem entgegengesetzt ist, welcher die Entstehung des Anfalls begünstigt hat. Wenn beispielsweise Ärger oder Aufregung den Anfall ausgelöst hat, kann Entspannung eine wirksame Gegenmaßnahme sein. Entsprechend ist bei Abgespanntheit eine Aktivierung notwendig.

Der eigene Experte sein

Das Finden eines Gegenmittels kann ein langwieriger und schwieriger Prozeß sein, der, wie das Identifizieren der Auslöser, eine genaue " Selbstbeobachtung " erfordert. Diese Selbstbeobachtung sollte deshalb, wenn möglich, unter Anleitung stattfinden. Oft verfügen Epilepsiekranke aber schon über Erfahrungen mit ihren Auslösern oder sogar mit einer Anfallsabwehr ( Zum Teil, ohne sich dessen bewußt zu sein ). Dieses Expertenwissen im Umgang mit der eigenen Krankheit wird im Rahmen der medikamentösen Therapie bislang weitgehend vernachlässigt. Dieser Erfahrungsschatz kann und Soll mittels der Selbstkontrolle für die Behandlung verfügbar gemacht werden.

Menschen mit Epilepsie sollen bei ihren Versuchen unterstützt werden, sich selbst zu helfen, um nicht allein auf medikamentöse Hilfe vertrauen zu müssen. Der Behandlungsansatz der Selbstkontrolle fordert und fördert eine Aktive Auseinandersetzung mit den körperlichen und psychischen Hintergründen der Krankheit. Dieser Prozeß steht im Mittelpunkt. Dei Bereitschaft, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen, ist deshalb die einzige unverzichtbare Voraussetzung




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