CADASIL, was heisst das?

 
CADASIL, was heisst das?(Cerebral Autosomal Dominant Arteriopathy with Subcortical Infarcts & Leukoencephalopathy - Zerebrale autosomale dominante Arteriopathie mit subkortikalen Infarkten und Leukoenzephalopathie)

Zerebrale autosomale dominante Arteriopathie mit subkortikalen Infarkten und Leukoenzephalopathie (CADASIL) ist eine oft übersehene Ursache für Leukoenzephalopathie, die zu Schlaganfällen und Demenz im frühen mittleren Alter führen kann. Radiologische Zeichen dieser zerebralen, nicht arteriosklerotischen, nicht amyloiden Angiopathie können von Kindheit an auftreten - in einem präsymptomatischen Stadium der Krankheit, so daß sie dem Kinderneurologen auffallen werden. Diese Krankheit wurde zuerst von Sourander und Walinder 1977 in einer schwedischen Familie beschrieben, in der eine erbliche Form von Multi-Infarkt-Demenz vorkam. Im selben Jahr berichteten Stevens, Hewlett und Brownell von einer ähnlichen Krankheit, die sie als "chronische familiäre vaskulare Enzephalopathie" bezeichneten.

Migräne mit oder ohne Aura setzt im vierten Lebensjahrzehnt ein. Im folgenden Jahrzehnt treten vorübergehende ischemische Anfälle und Schlaganfälle auf. Stimmungsschwankungen und Demenz folgen, üblicherweise vor dem 60. Lebensjahr. Chabriat und andere fanden in ihrer Beobachtung von 45 betroffenen Patienten in sieben Familien (Lancet 1995; 346:934) heraus, daß die Symptome in einem mittleren Alter von 45,1 Jahren einsetzten und daß der Tod durchschnittlich 21,5 Jahre später eintrat. In einigen Fällen ist Epilepsie beschrieben worden.

Die Magnetresonanz des Gehirns zeigt konfluente symmetrische Hochsignalzonen bei Protonen-Dichte und T2-gewichteten Bildern durch die gesamte weiße Materie beider Gehirnhälften. Außerdem gibt es multiple deutliche Niedrigsignalbereiche bei T1-gewichteten Bildern, die auf zystische oder nekrotische Läsionen in der weißen Materie und voneinander getrennte punktuelle Läsionen von bis zu 2 cm im gesamten Stammhirn, Thalamus, der basalen Ganglia der cerebral peduncles und pons hinweisen. Ventrikulare Erweiterung und Atrophie des Corpus Callosum treten ebenfalls auf.

Die charakteristische pathologische Läsion ist eine Angiopathie kleiner und mittelgroßer Arteriolen. Weiche Muskelzellen des Mediums werden durch Ablagerungen körniger basophiler elektronendichter Materie, die als GOM (granular osmiophilic material) bekannt ist. Die Grundmembran kann verdickt sein, und Reduplikation der internen elastischen Lamina kommt vor. In der gesamten subkortikalen weißen Materie sowie auch in der basalen Ganglia und im Thalamus wurden bei Post-Mortem-Untersuchungen multiple kleine lakunare und zystische Infarkte festgestellt.

Das defekte Gen, das CADASIL, ist auf dem Chromosom 19 p.13.1. gefunden worden. Joutel und andere haben gezeigt (Nature 1996;383:707), daß das Notch3-Gen, das in der CADASIL-kritischen Region liegt, bei CADASIL-Patienten Mutationen aufweist. Notch3 kodiert einen glykosylierten transmembranen Rezeptor, der bei der Drosophila-Fliege bei der Zellenspezialisierung im Entwicklungsprozeß eine Rolle spielt. Der exakte Mechanismus, durch den Schäden am Notch3-Eiweiß die CADASIL-typische Angiopathie verursachen, muß noch genau beschrieben werden.




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