mit fortschreitendem Alter die Störungen aber zahlreicher und länger dauernd werden, uns in unserer Entfaltung mehr und mehr einschränken, schwächen und schliesslich "umbringen", ist dieses Zerrbild einer Schulmedizin ein langsames Rückzugsgefecht und nicht fähig, unsere Unsterblichkeits- und Allmachtsphantasien zu befriedigen. Die Schulmedizin rechtfertigt sich selber nicht, gibt uns keinen Lebenssinn, keine Erklärung über den Sinn von Leiden, Schmerz und Tod.

Nur soviel zum Begriff "Wissenschaft": "Die Wissenschaft verändert sich von Beerdigung zu Beerdigung" (Max Planck). Oder anders ausgedrückt: Was gestern als "wissenschaftlich" galt, ist heute schon "mittelalterlich".  Wenn das Ziel der Schulmedizin Heilung, Rückführung oder Restitutio zum Vorzustand ist, ist das der "komplementären" (oder "alternativen") Medizin also Sinnfindung, Heilwerden, Reifung. Und genau deshalb, weil das Behandlungsziel nicht dasselbe ist, sind die beiden Sichtweisen häufig kompatibel, ja eigentlich "komplementär". Was uns fehlt, ist mehr Verständigung, auf welcher Ebene Not ist, und ob wir bereit sind, die Sinnfrage (zum Beispiel auch vom Schmerz) zu stellen, den Hilfesuchenden auf seinem Weg zu begleiten und in die Eigenverantwortung und Selbständigkeit zu entlassen, ob mit schulmedizinischen oder alternativen Methoden.

Hier noch ein Gedanken zur Intoleranz vieler Homöopathen gegenüber "Andersdenkenden": Man sollte einmal studieren, wie intolerant der "grosse Meister" Hahnemann (Hahn-Mann >> Gockel) gegenüber Nicht-Homöopathen und Nicht-Klassischen-Homöopathen seiner Zeit war. Es wirkt hier eine schlechte Schattenintegration (um in psychoanalytischen Termini zu sprechen). Das Integrieren der Schattenseiten würde auch uns heutigen Homöopathen und Schulmediziner gut ankommen und ist für eine bewusste Beziehungsmedizin unabdingbar.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://www.dr-walser.ch)




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