Nachsorge und Langzeitergebnisse bei Niertransplantationen

 
Nachsorge und Langzeitergebnisse bei NiertransplantationenUnmittelbar nach der Nierentransplantation wird der Patient auf einer Transplantationsnachsorge-Station überwacht und betreut. Notwendige Kontrollen der Kreislaufparameter, des Gewichts und der Operationswunde sowie der Urinausscheidung laufen parallel mit einer genau abgestimmten Gabe von Medikamenten und Infusionen, unter besonderer Berücksichtigung der Immunsuppression. Zusätzliche Informationen über die Transplantatniere und das Operationsgebiet geben Ultraschalluntersuchungen. Bedingt durch die Minderperfusion des Transplantates und durch die notwendige post-ischämische Erholungsphase kann eine ausreichende Ausscheidung der Niere 3 - 4 Wochen auf sich warten lassen. In dieser Zeit müssen überbrückend Dialysebehandlungen durchgeführt werden. Die Mehrzahl der Patienten scheidet allerdings schon sofort nach der Operation ausreichend Urin aus.

Um einer Abstoßung des transplantierten Organes durch den Körper entgegen zuwirken, werden zu Beginn der Behandlung höher dosierte immunsuppressive Medikamente verabreicht, die später deutlich reduziert werden. Besonders in der 2. und 3. Woche nach Transplantation treten erfahrungsgemäß gehäuft akute Abstoßungsreaktionen auf. Daher ist eine engmaschige Kontrolle der Organfunktion durch Kontrolle von Laborwerten, Ultraschalluntersuchungen und ggf. Biopsie (Gewebeentnahme aus dem Transplantat durch Punktion) notwendig. Ist nach mikroskopischer Untersuchung eine Abstoßungsreaktion gesichert, wird eine entsprechende medikamentöse Therapie gegen die Abstoßung eingeleitet, die mit den heute verfügbaren Medikamenten einen Erhalt der Nierenfunktion in über 90% der Fälle ermöglicht.

Die ambulante Nachsorge beim Nephrologen wird zunächst in kurzfristigen Intervallen, später in 4 bis 12-wöchigen Abständen durchgeführt. Während dieser Besuche wird vor allem auf die Überwachung der Nierenfunktion, des Blutdruckes, des Kohlehydrat- und Fettstoffwechsels sowie auf die Dosierung der immunsuppressiven Medikamente Wert gelegt. Die optimale Dosierung der Immunsuppressiva muss auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden: ein zuwenig bedeutet Abstoßung des Transplantates, ein zuviel bedeutet ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Stoffwechselprobleme, Tumoren und kardiovaskuläre Erkrankungen. Die akute Transplantatabstoßung kann mit uncharakteristischen Symptomen ähnlich einer Grippe einhergehen und muss von Virusinfekten, bakteriellen Infekten oder Pilzinfektionen unterschieden werden. Der einfachste und sicherste Parameter für die Kontrolle der Nierenfunktion ist die Bestimmung des Kreatininspiegels im Serum.

Der Transplantatverlust ist in der späten Phase nach Transplantation durch eine langsame Vernarbung des Nierengewebes und der Nierengefäße bedingt. Jedes Spenderorgan ist hiervon in gewissem Umfang betroffen. Dieser Vorgang wird als chronische Abstoßung oder besser als chronisches Transplantatversagen bezeichnet. Die Ursachen sind bisher nicht genau erforscht, doch sprechen viele Indizien für den Zusammenhang mit einer immunologischen Abstoßungsreaktion oder einer chronischen Infektion.

Die Funktionsraten und die Funktionsdauer der Nierentransplantate haben sich in den letzten Jahren aufgrund der erweiterten Behandlungsmöglichkeiten sowie der intensiven Betreuung der Transplantatempfänger erheblich verbessert. Die Transplantatfunktionsrate liegt im Durchschnitt nach einem Jahr bei über 80%, nach 5 Jahren über 70%, nach 10 Jahren bei ca. 60%. Anders ausgedrückt: ein Nierentransplantat behält heute seine Funktion bei jedem 2. Patienten über 13 Jahre.




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