Schmerztherapie bei chronischen Osteoporose-Schmerzen
Schmerzen werden bei Osteoporose-Patienten auf Grund der Veränderungen an der Wirbelsäule sehr oft chronisch. Diese dauerhaften Schmerzen sind für die Betroffenen besonders belastend, weil sie zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen. Ziel der Schmerztherapie ist es daher, durch die Auswahl geeigneter Mittel und eine angemessene Dosierung zu erreichen, dass der Patient keine oder kaum Schmerzen empfindet. Ein Patient mit weniger Schmerzen ist entspannter, hat weniger Ängste oder Depressionen und mehr Freude am Leben.Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema
Die medikamentöse Behandlung chronischer Schmerzen erfolgt nach den 1986 ursprünglich für die Therapie von Tumorschmerzen aufgestellten Regeln der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die inzwischen allgemein anerkannt sind und auch für die Behandlung chronischer Osteoporose-Schmerzen Anwendung finden. Die WHO unterscheidet dabei drei Stufen der medikamentösen Therapie: die Behandlung mit leichten, mittelstarken und starken Schmerzmitteln.Das Stufenschema der WHO stellt für Arzt und Patient eine wichtige Orientierungshilfe dar, ist jedoch keine Richtlinie, von der man nicht abweichen darf. Letztlich muss sich die Schmerzbehandlung immer nach der Intensität der Schmerzen richten und das Ziel haben, den Patienten möglichst von seinen Beschwerden zu befreien. Deshalb kann es auch sinnvoll sein, die Therapie direkt mit Medikamenten der Stufe II oder III zu beginnen.
Die Medikamente in Stufe I des WHO-Schemas wirken unter anderem schmerzstillend, fiebersenkend und zum Teil auch entzündungshemmend. Azetylsalizylsäure wirkt beispielsweise besonders bei Knochen- und Weichteilschmerzen. Bei Osteoporose werden häufig Diclofenac oder Ibuprofen eingesetzt. Eine dauerhafte Anwendung kann allerdings zu Schäden an der Magen- und Darmschleimhaut führen. Langfristig kann es auch zu Nierenschäden kommen. Neuerdings werden als Alternative verstärkt COX-2-Hemmer (z. B. Rofecoxib, Celecoxib) eingesetzt, die bei gleicher Wirkung weniger Nebenwirkungen verursachen.
Wenn mit den Präparaten dieser Stufe keine ausreichende Linderung der Schmerzen mehr zu erreichen ist, kommen in Stufe II schwache Opioide zum Einsatz. Diese Mittel werden so lange gegeben, wie dadurch eine schmerzlindernde Wirkung zu erzielen ist oder bis die Nebenwirkungen stärker sind als der Nutzen der Therapie. In Stufe III des WHO-Schemas werden dann stark wirksame opioidhaltige Schmerzmittel wie Fentanyl oder Morphin eingesetzt. Übrigens: Die Sorge, dass Opioide mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, ist unbegründet. Opioide können auch über einen langen Zeitraum eingenommen werden, ohne dass sie wirkungslos werden oder, wie viele andere Schmerzmittel, Organschäden verursachen. Höhere Dosierungen werden in der Regel nur dann notwendig, wenn die schmerzauslösende Grundkrankheit fortschreitet, der Schmerz also zunimmt.
Bei der Behandlung schwerer chronischer Schmerzen mit Opioiden kann es zu Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit kommen. Diese typischen Nebenwirkungen klingen jedoch meist nach etwa zwei Wochen ab oder lassen sich in den meisten Fällen entsprechend behandeln. Hartnäckiger sind oft Verstopfungen, die aber ebenfalls durch eine entsprechende Therapie zu behandeln sind. Unterstützend kann eine Ernährungsumstellung mit ballaststoffreicher Kost, der Zufuhr von reichlich Flüssigkeit und, wenn möglich, viel Bewegung eine Verstopfung bessern.


