Therapien bei Lebertransplantationen...

Spezielle immunsuppressive Therapie
Eine Behandlung mit
Immunsuppressiva zur Vermeidung einer Abstoßung ist von Anfang an erforderlich. Hierbei werden heute ein Calcineurininhibitor (Cyclosporin A oder Tacrolimus) mit Methylprednisolon kombiniert. Unter besonderen Bedingungen können auch andere Medikamente hinzukommen: z.B. Mycophenolatmofetil, Azathioprin oder Sirolimus. Da immunologische Reaktionen vermehrt in der frühen Phase nach
Transplantation auftreten (akute Abstoßungen in 30% der Patienten im ersten postoperativen Monat), stellen Anti-Thymozytenpräparationen (rabbit-ATG) sowie auch IL-2-Antagonisten eine Bereicherung dar. Die Cyclosporin- oder Tacrolimusspiegel müssen besonders am Anfang engmaschig gemessen werden, um eine Wirksamkeit zu garantieren und
Nephrotoxizität zu vermeiden. Nach ca. 6 Monaten kann in den meisten Fällen die
Steroidmedikation abgesetzt oder deutlich reduziert werden. Bei Hepatitis-B-Patienten ist eine Nachbehandlung mit einem Virostatikum (Lamivudine) und einem Immunglobulin gegen das
Hepatitis B-Virus erforderlich, um eine erneute Schädigung der Transplantatleber zu vermeiden.
Abstoßungsdiagnostik und -therapie
Die Diagnose einer aktuten Abstoßung wird anhand klinischer, laborchemischer und histologischer Kriterien gestellt. Die Therapie der akuten Abstoßung besteht in der Applikation von Methyprednisolon (500mg) an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Gleichzeitig wird die Basisimmunsuppression erhöht und ggf. kann Mycophenolatmofetil oder auch Sirolimus dazugegeben werden. Beim Vorliegen einer
steroidresistenten Abstoßung erfolgt die Therapie mit Anti-Thymozyten-Globulin (polyklonalen Antikörper = rabbit-ATG) oder monoklonalen T-Zell-Antikörper (OKT3; CD3-Antikörper) über 3 bis maximal 10 Tage. Aufgrund der Verbesserung in der
Immunsuppression wird die chronische Abstoßung nach Lebertransplantation nur noch selten beobachtet.
Nachsorge und Langzeitergebnisse
Nach erfolgter
Lebertransplantation können verschiedene transplantationstypische Komplikationen wie Abstoßung, Infektionen, Gefäß- und Gallengangsprobleme auftreten. Heute wird eine Überlebenszeit nach Lebertransplantation von zehn Jahren als durchschnittlich angesehen. Die Überlebensraten ein Jahr nach
Transplantation sind bei Patienten nach elektiver primärer Transplantation (n=126) 82%, nach akutem Leberversagen (n=19) 65% und nach Re-Transplantation wegen chronischen und akuten Transplantatversagens (n=22) 57%. Die Ergebnisse liegen damit im Bereich der im Europäischen Lebertransplantationsregister mitgeteilten
Überlebensraten. Im Erfassungszeitraum 1988 - 2000 liegt die Überlebensrate von Zirrhosepatienten nach einem Jahr bei 81% und bei akutem Leberversagen bei 63%. Ein Jahr nach der Splitlebertransplantation leben neun von zehn Patienten. Die Fünfjahres-Überlebensrate beträgt über 80 %.