Was heisst Schielen?

 
Was heisst Schielen?Schielen (Strabismus), fehlerhafte Stellung der Sehachsen, welche bewirkt, daß einem Punkt nicht gleichzeitig symmetrische Stellen beider Netzhäute zugewendet werden können. Daraus folgt, daß beim S. nur ein Auge zur Fixation benutzt wird, und daß nur auf diesem ein deutliches, auf dem abgelenkten Auge dagegen nur ein undeutliches Netzhautbild zu stande kommen kann. Bei jeder Art des Schielens gibt es zwei Entwickelungsstadien: im ersten nehmen die Sehachsen nur zeitweilig und unter ganz bestimmten Bedingungen eine falsche Stellung an; im zweiten Stadium aber ist die falsche Stellung der Sehachsen konstant geworden. Das erste Stadium geht gewöhnlich früher oder später in das zweite über.
Das S. beruht darauf, daß einzelne Muskeln des Auges ein vorübergehendes oder bleibendes Übergewicht über ihre Antagonisten bekommen. Dieses Übergewicht ist bedingt durch angeborne oder erworbene Schwäche und Lähmung (paralytisches S.) einzelner Augenmuskeln.

Bei weitem am häufigsten sind die eigentlichen Ursachen die Refraktionsanomalien (Kurzsichtigkeit oder Übersichtigkeit) und Schwachsichtigkeit (besonders einseitige), sei es, daß dieselbe angeboren oder durch Leiden des innern Auges oder durch äußere Entzündungen (z. B. Hornhautflecke) entstanden ist; mitunter wird S. auch bei Gehirnkrankheiten, infolge welcher einzelne Augenmuskeln gelähmt werden, beobachtet. Neugeborne Kinder haben fast alle Neigung zum S.; doch pflegt sich dasselbe wieder zu verlieren, sobald die Kinder (im vierten Monat) zu fixieren und beide Augen gleichmäßig zu benutzen gelernt haben. Man unterscheidet zunächst zwei Hauptarten des Schielens, nämlich das bewegliche S. (strabismus) und das unbewegliche S. (luscitas).

Beim beweglichen S. behält das schielende Auge noch die Kraft, alle Bewegungen des richtig blickenden Auges begleitend mitzumachen; aber während letzteres einen Gegenstand fixiert, schneidet die Sehachse des erstern die des letztern entweder vor (beim S. nach innen, S. internus s. convergens), oder hinter dem Objekt, oder gar nicht (beim S. nach außen, S. externus s. divergens). Dieses Verhältnis bleibt sich gleich, mag das schielende Auge offen oder verdeckt sein. Wird das richtig blickende Auge verdeckt, so fixiert das schielende Auge den Gegenstand, und das gesunde läßt seine Sehachse vor oder hinter dem Objekt vorbeischießen. Bei jedem S. ist an und für sich Doppeltsehen vorhanden, weil die Bilder eines und desselben Gegenstandes auf nicht gleichwertige Stellen der Netzhaut fallen. Diese Bilder werden aber als gesonderte in der Regel nur in den ersten Stadien des Schielens wahrgenommen. Bei längerm Bestehen des Schielens hört die Wahrnehmung der Doppelbilder nach und nach auf, teils weil bei zunehmendem S. die lesen Sie weiter




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