die Bilder auf sehr wenig lichtempfängliche Stellen der Netzhaut fallen, teils weil der Schielende allmählich lernt, das schwächere Bild zu vernachlässigen. Ein Schielender, der doppelt sieht, ist sehr oft im Zweifel über die wahre Lage der Objekte, zumal wenn das Bild des schielenden Auges das des gesunden an Deutlichkeit erreicht, indem er die Objekte der Doppelbilder zufolge physikalischer Gesetze nicht an der Stelle sieht, an welcher sie sich befinden. Ebenso entgeht dem Schielenden der Vorteil des stereoskopischen Sehens und der Schätzung von Entfernungen. In allen Fällen, wo nur ein Auge schielt, tritt auf diesem wegen mangelnder Übung und wegen seiner Unthätigkeit beim Sehen eine Abnahme der Sehkraft ein, was nicht der Fall ist, wenn beide Augen abwechselnd schielen. Donders hat nachgewiesen, daß das konvergierende S. in der größten Zahl der Fälle bei Übersichtigkeit, das divergierende besonders bei Kurzsichtigkeit vorkommt.

Das unbewegliche S. besteht darin, daß das kranke, schielende Auge bei allen Bewegungen des gesunden Auges entweder ganz unbeweglich nach einer bestimmten Richtung gewandt wird, oder doch der Kreis seiner Bewegungen ein sehr kleiner ist. Fast immer beschränkt sich dieser Zustand auf ein Auge, welches dabei in hohem Grad schwachsichtig zu sein pflegt. Als S. mit Einem Auge (S. monolateralis) bezeichnet man den Zustand, wo ein und dasselbe Auge stetig zur Fixation benutzt wird, das andre aber stetig abweicht. Ein S. gleichzeitig mit beiden Augen kann es freilich, solange der Kranke einen Gegenstand fixiert, überhaupt nicht geben, da, um deutlich zu sehen, immer wenigstens ein Auge richtig stehen muß. Nur bei dem gedankenlosen Blicke können die Sehachsen beider Augen oft eine widernatürliche Konvergenz oder Divergenz annehmen. Beim S. nach innen kommt es vor, daß der Schielende häufig im Gebrauch des Auges wechselt und bald mit dem einen, bald mit dem andern Auge schielt. Diesen Zustand nennt man S. mit beiden Augen (alternierenden S. convergens). Konvergierend oder divergierend sind die Sehachsen auch beim S. nach oben (S. sursum vergens) und nach unten (S. deorsum vergens).
Was die Behandlung des Schielens anbetrifft, so können alle gegen dasselbe empfohlenen Mittel, mit Ausnahme der Schieloperation, höchstens bei vorhandener Anlage dazu die Entstehung desselben verhüten oder der fernern Entwicklung Einhalt thun, nie aber eine Heilung des ausgebildeten Schielens bewirken. Dies gilt auch von den sogen. Schielbrillen. Stark Kurzsichtige und Leute mit sonstiger Disposition zum S., d. h. mit schwachen Augenmuskeln, müssen ihre Augen nicht übermäßig
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2)




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