6 Jahren hingegen erleben ihre Umgebung bereits viel bewusster und sprechen über ihre Empfindungen schon leichter. Durch die Reaktionen der Umgebung wie z.B. angstvolle Blicke der Eltern oder mitgehörte Gespräche zwischen Arzt und Eltern, spüren sie die schwerwiegende Bedeutung ihrer Erkrankung. Zusätzlich erleben sie bereits bewusster die körperlichen Veränderungen durch die Behandlung, wie Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall. Sie können diese Nebenwirkungen der Behandlungen mit der Erkrankung und der Notwendigkeit der medizinischen Behandlung viel leichter selbst kombinieren und haben dadurch mehr Kontrolle über das, was mit ihnen geschieht. Oft sind diese Nebenwirkungen aber für sie bedrohlicher, da unmittelbar spürbarer und erlebbarer als die Krankheit selber. Was über die begleitende Aufklärung für die vorhergehende Altersgruppe gesagt wurde, gilt bei dieser Altersgruppe ebenfalls in besonderem Maße. Obwohl das Talionsprinzip schon abgeschwächter ist, wirkt es noch heftig und schwächt sich erst langsam, bis zur Pubertät hin, ab. Aufgrund der erhöhten Infektionsanfälligkeit dürfen diese Kinder nicht mehr in den Kindergarten. Sie müssen auch sonst vielerlei Einschränkungen im sozialen Kontakt und in ihrer Mobilität hinnehmen – und das in einem Lebensabschnitt, wo sie gerade dabei waren, über die Familie hinaus das Leben zu entdecken und zu erobern. Da sie in diesem Alter vieles noch nicht in vollem Umfang geistig begreifen können, verstehen sie diese Einschränkungen nur teilweise. Sie reagieren einerseits dadurch oft mit Ärger und Wut auf ihre Eltern, welche ihnen diese Einschränkungen auferlegen müssen; andererseits suchen sie verstärkt wiederum die Nähe der Eltern, insbesondere der Mutter. Dies zeigt sich darin, dass sie sich vor allem in den Therapiepausen wieder stärker an die Mutter klammern, wobei sie zu Hause meist in der Nacht Zuflucht und körperlichen Kontakt bei der Mutter suchen. Die Kinder geben dadurch in der Regel einen bereits eroberten Freiraum (Kinderschlafzimmer) vorübergehend wieder auf und fallen auf frühere Entwicklungsstufen zurück. Wichtig ist es, dass die Eltern dem Kind in dieser Phase zeigen, dass sie sein vermehrtes Bedürfnis nach Nähe verstehen, ihm aber helfen, einen bereits eroberten Entwicklungsabschnitt nicht wiederaufzugeben.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://www.kinderkrebshilfe.at)




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