DNA-Reparatur: Sonnenschutz durch Botenstoffe

 
DNA-Reparatur: Sonnenschutz durch BotenstoffeDer Selbstmord ist in Zellen fest programmiert - zum Wohle des Körpers. Ist das Erbgut zum Beispiel einer Hautzelle durch starke UV-Strahlung übermäßig zerstört, tötet sie sich selbst, um nicht zur Krebszelle zu werden. Nach einem Sonnenbrand schuppen diese toten Zellen in großen Mengen ab. Deutsche Forscher haben nun einen Botenstoff gefunden, der den Hautzellen bei der DNA-Reparatur hilft und den Selbstmord verhindert. Möglicherweise legen diese Ergebnisse den Grundstein für die Sonnencreme der Zukunft.

Die Snowboarderin Sabina Blassnig aus Tirol hat für die kommende Rennsaison angekündigt, in Unterwäsche zu starten, wenn sich kein Bekleidungssponsor findet. Sollte sie ihre Drohung wahr machen, sei ihr zumindest ein guter Sonnenschutz empfohlen: Die Belastung durch ultraviolette (UV-) Strahlung in Gletscherhöhen ist ungleich höher als in den Tälern. Viele Wintersportler haben das schon leidvoll am eigenen Gesicht erfahren müssen. Ein völlig neuer Ansatz für den Sonnenschutz kommt aus der Dermatologischen Abteilung der Universität Münster: Professor Thomas Schwarz und sein Team haben festgestellt, dass ein Cytokin , das so genannte Interleukin 12 (IL-12), Hautschäden nach UV-Einstrahlung vermindern kann.

"UV-Licht schädigt die DNA im Zellkern und führt dazu, dass betroffene Hautzellen absterben", sagt Schwarz. Dies sei grundsätzlich ein sehr sinnvoller Mechanismus, denn Zellen mit DNA-Schäden liefen Gefahr, zu Krebszellen zu entarten. Von einigen Cytokinen ist bekannt, dass sie die Apoptose, also den zellulären Selbstmord, beschleunigen und so bei der Elimination kranker Zellen helfen. Schwarz testete auf der Suche nach solchen Substanzen unter anderem die Wirkung des Cytokins IL-12: "Ich habe mir zunächst nicht allzu viel davon erwartet", sagt Schwarz. "Wir waren jedoch sehr überrascht, als sich zeigte, dass IL-12 den Zelltod nicht beschleunigt, sondern vielmehr verhindert."

Noch größer war die Überraschung, als sich zeigte, dass die überlebenden Zellen gesund waren: Sie hatten offenbar ihre DNA-Schäden repariert. "Der genaue Mechanismus ist noch ungeklärt", sagt Schwarz. Es scheinen jedoch vermehrt DNA-Reparatur-Proteine gebildet zu werden. Nach Einwirkung der UV-Strahlung würden diese dann Schäden im DNA-Strang ausbessern. Damit gelang den Wissenschaftlern zum ersten Mal der Nachweis, dass Cytokine die DNA-Reparatur beeinflussen können, wie sie in der Januarausgabe des Fachmagazins Nature Cell Biology schreiben. Ob die Ergebnisse bald zu einer neuen Generation von Sonnenschutzmitteln führen könnten, will Schwarz jedoch noch offen lassen. "Da muss man sehr vorsichtig sein", sagt er. Vor allem ist noch ungeklärt, ob die UV-Strahlung nicht erst langfristig sichtbare Schäden in den Zellen hinterlassen hat. Allerdings sterben auch nach einem kräftigen Sonnenbrand nicht unbedingt alle Zellen mit DNA-Schäden wirklich ab. Daher könnte eine durch IL-12 gesteigerte DNA-Reparatur durchaus helfen, Spätschäden wie Hautkrebs vorzubeugen - auch bei Snowboardern ohne textilen Sonnenschutz.




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