Elektromagnetische Felder und Hörphänomene
Dazu ein Auszug aus der Literaturstudie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel: Hochfrequente Strahlung und Gesundheit: Das Mikrowellen-Hören ist ein seit langem bekanntes Phänomen, das im Zusammenhang mit gepulster Strahlung auftreten kann (DE SEZE 1998).Bereits anfangs der 60er Jahre wurde beobachtet, dass bei Exposition gegenüber scharf gepulster Mikrowellenstrahlung Geräusche hörbar waren (FREY 1961). Die Geräusche wurden als Klicken, Surren, etc. beschrieben und traten schon bei durchschnittlichen (zeitlich gemittelten) Leistungsflussdichten von einigen zehn mW/m² (einigen V/m) auf.
Zuerst wurde dieses, als Mikrowellen-Höreffekt bezeichnete Phänomen, als Folge eines nicht-thermischen Wirkungsmechanismus interpretiert. Mittlerweile ist unbestritten, dass der Effekt durch thermoelastische Wellen verursacht wird, die nach der Absorption von gepulster Strahlung im weichen Hirngewebe entstehen (LIN 2001).
Massgebend für die Wahrnehmung ist jedoch nicht die durchschnittliche (zeitlich gemittelte) Leistungsflussdichte, sondern die Energieflussdichte pro Puls (in mJ/m²). Die Wahrnehmungsschwelle ist je nach Proband individuell verschieden. Für kurze Pulse von weniger als 30 µs Dauer und einer Trägerfrequenz von 3 GHz liegt sie zwischen 20 und 1400 mJ/m². Ein 30 µs-Puls der Stärke 100 mJ/m² korrespondiert mit einer maximalen spezifischen Absorption von 10 mJ/kg und entspricht einer
momentanen SAR von 300 W/kg während des Pulses (DE SEZE 1998).
Das Mikrowellen-Hören ist der einzige nicht-thermische Effekt, der von der ICNIRP berücksichtigt wird. Die kleinste beobachtete Energieflussdichte pro Puls, die einen Mikrowellen-Höreffekt verursacht, beträgt 20 mJ/m². Bei einer Pulsdauer von 30 µs entspricht dies einer Leistungsflussdichte von rund 670 W/m² während des Pulses. Bei repetitiven Pulsen mit kurzer Pulsdauer und langer Wartezeit zwischen den Pulsen, wie dies für Radarstrahlung typisch ist, können die Pulse bereits bei sehr niedriger durchschnittlicher Leistungsflussdichte wahrgenommen werden.ICNIRP hat daher zusätzlich zur zeitlich gemittelten Leistungsflussdichte auch den Spitzenwert der Leistungsflussdichte begrenzt. Dieser wurde pragmatisch 1000 Mal höher als der 6 Minuten Grenzwert festgesetzt. Für Trägerfrequenzen oberhalb von 2 GHz beträgt er 10'000 W/m². Bei einer Wahrnehmungsschwelle von nur 670 W/m² ist damit auch bei eingehaltenem ICNIRP-Grenzwert mit Höreffekten zu rechnen.
Die Pulsierung des GSM-Mobilfunks ist nicht vergleichbar mit der Pulsierung der Radarstrahlung. Die Pulsdauer ist bei GSM mit 577 µs fast 20 mal länger als im oben beschriebenen Beispiel. In der Literatur wurde bisher nicht beschrieben, ob so lange Pulse überhaupt hörbar sind. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass das Phänomen bei der GSM Strahlung bei Einhaltung der ICNIRP-Grenzwerte aufgetreten ist.


