Fällen auf. In der Erweiterungsstudie ergab sich für die gleiche Erkrankung im gleichen Abstand von den Sendern ein unauffälliges Ergebnis (79 beobachtete Fälle gegenüber 81,6 erwarteten Fällen). Bei beiden Studien zeigte sich vor allem für eine chronische Form der Leukämie jedoch ein Trend einer abnehmenden Häufigkeit der Fälle mit zunehmender Entfernung vom Sender. Die erweiterte Studie wurde vornehmlich durch die dicht besiedelte Gegend um den Fernsehsender in Crystal Palace geprägt. In Sutton Coldfield arbeitete die Sendeanlage mit einer ähnlichen Leistung für TV, hatte aber zusätzlich noch eine Antenne für FM-Radio. Auslöser der Studie in Sutton Coldfield war ebenfalls ein Bericht über eine mögliche Krankheitshäufung.

Hocking et al. berechneten für einen 18jährigen Zeitraum für den Vergleich einer Nahregion von drei Sendeanlagen in Nord-Sydney im Vergleich zu den an die Nahregion angrenzenden Stadtteile ein erhöhtes Leukämierisiko für sowohl alle Altersklassen als auch Kinder im speziellen. McKenzie et al. kritisierten vor allem die Wahl der Vergleichsregion, dennoch blieb auch in ihrer Überprüfung die Verknüpfung für Leukämie bei Kindern erhalten. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass die höhere Kinderleukämierate im gesamten Nahbereich auf eine etwa dreifach erhöhte Erkrankungsrate in einem der drei Stadtteile im Nahbereich zurückzuführen war, und hier vor allem auf Leukämien unter den 0-4jährigen im Zeitraum 1972-78. In den beiden anderen im Durchschnitt höher exponierten Stadtteilen war keine Erhöhung der Leukämierate beobachtet worden. Hirntumoren traten im Nahbereich nicht häufiger auf als erwartet (Hocking et al., 1996).

Bewertung

Für eine abschließende Bewertung ist die bisherige wissenschaftliche Grundlage nicht ausreichend. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Erstens handelt es sich ausnahmslos um ökologische Studien, bei der Expositionen von Personengruppen aber nicht Individuen betrachtet werden, sodass ein ökologischer Trugschluss möglich ist. Zweitens sind ökologische Studien lediglich zur Aufstellung von Hypothesen geeignet, da diese Studien meist nicht systematisch oder von vornherein geplant durchgeführt werden. Auslöser einer Studie zur Erkrankungshäufung ist meist die Vermutung einer solchen Häufung, für die bereits Anzeichen vorliegen, sodass letztendlich die Wahrscheinlichkeit höher ist, diese auch zu finden. Wird der Verdacht der Erkrankungshäufung nicht bestätigt, wird in der Regel die Untersuchung auch nicht publiziert. Insofern ist es zu erwarten, dass in der Literatur mehr Berichte zu auffälligen Ergebnissen auftauchen, als zu unauffälligen Ergebnisse. Insbesondere die australische Studie ist jedoch so ernst zu nehmen, dass eine von vornherein geplante Studie (eventuell mit eingebetteter Fallkontrollstudie für eine individuelle Expositionsschätzung) im Umkreis mehrerer Sendeanlagen empfehlenswert wäre.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://www.ralf-woelfle.de)




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