Depression im Alter – Behandlung tut Not
Einen geliebten Menschen zu verlieren, oder zunehmend krank und gebrechlich zu werden – das ist Teil der Lebenswirklichkeit vieler älterer Menschen. Die meisten Senioren kommen ganz gut mit den Änderungen zurecht, die das Alter mit sich bringt. Der "rüstige Rentner" stellt keine Ausnahme dar. Er ist eingebunden in ein Netz aus Bezugspersonen und gestaltet sein Leben selbstständig und abwechslungsreich. Doch etwa jeder zwanzigste über 65-Jährige leidet an einer behandlungsbedürftigen Depression, meist still vor sich hin. Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen wohnen, haben ein noch größeres Risiko, an einer Depression zu erkranken.Depression? Depression!
Obwohl die Depression zu den häufigsten seelischen Erkrankungen im Alter zählt, ist sie oft schwer zu erkennen. Weder die Betroffenen selbst noch ihre Angehörigen denken gleich daran, etwa wenn sie das Interesse an schönen Dingen verlieren, sich ohne Grund schuldig oder arm wähnen. Oft besucht der ältere Mensch den Arzt nicht wegen psychischer, sondern wegen körperlicher Beschwerden. Dann klagen Betroffene z. B. über Müdigkeit, Unruhe, Gewichts- und Appetitverlust, Magen- und Rückenschmerzen oder Schlafstörungen. Manchmal beginnt eine Odyssee von Arzt zu Arzt, bis jemand die richtige Diagnose stellt, nicht zuletzt da im Alter viele Menschen an weiteren Erkrankungen leiden.Und andere Krankheiten und ihre Behandlung können es tatsächlich in sich haben: Eine Depression kann nämlich selbst Ausdruck einer anderen Erkrankung sein: Schlaganfall, Herzerkrankungen, Krebs, Parkinson-Krankheit, Hormonerkrankungen, um nur einige zu nennen. Bei optimaler Behandlung besteht die Chance, dass sich depressive Beschwerden zumindest teilweise wieder zurückbilden.
Und die geistige Leistungsfähigkeit?
Zum Alterungsprozess gehören bis zu einem gewissen Grad Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und der Merkfähigkeit. Sind solche Schwierigkeiten jedoch stärker ausgeprägt und beeinträchtigen sie den älteren Menschen im Alltag, sprechen Ärzte von einer Demenz. Was viele nicht wissen: Auch eine Depression kann mit vergleichbaren Beschwerden einhergehen – und umgekehrt. Selbst für den Arzt ist es manchmal schwierig die beiden Krankheitsbilder sicher zu unterscheiden.Dabei ist diese Unterscheidung sehr wichtig. Denn eine Depression bildet sich durch die Behandlung in der Regel zumindest teilweise zurück, eine Demenz dagegen nicht. Ist eine Unterscheidung nicht möglich, kann der Arzt zunächst versuchen, die Depression zu behandeln. Gehen die Beschwerden zurück, lag mit großer Wahrscheinlichkeit eine Depression vor.


