Botox gegen Kopfschmerzen

Seit 20 Jahren wird das Nervengift
Botulinumtoxin - besser bekannt als Botox - in kleinsten Mengen zu therapeutischen Zwecken verwendet, um in bestimmten Muskeln krankhafte Spannungszustände zu lösen. Das Toxin legt die
Muskeln einfach lahm. Es hemmt die Ausschüttung des Botenstoffs Acetycholin, der für die Übertragung von Informationen an die Nerven der Muskulatur zuständig ist. Dadurch wird die Impulsübertragung vom
Nerv zum Muskel unterbrochen – zumindest erst einmal. Die Wirkung des Nervengifts lässt nach einigen Monaten wieder nach.
Bekannt geworden ist das
Nervengift als Botox-Spritze gegen Gesichtsfalten. Jetzt erforschen Neurologen seine Wirkung gegen zwei Kopfschmerzarten: Migräne und chronischer Spannungskopfschmerz.
Das Spritzen von Botulinumtoxin in die Kopf-Druckpunkte und die Nackenmuskulatur kann bei Kopfschmerzpatienten zu Schmerzlinderung oder sogar zu Schmerzfreiheit führen.
Wer kann so behandelt werden?
Für die Botox-Spritze kommen nur Patienten in Frage, bei denen alle herkömmlichen Kopfschmerz-Mittel - von Entspannungsübungen bis starke
Medikamente - nicht gewirkt haben und weder eine Blutgerinnungsstörung noch Medikamentenmissbrauch vorliegt.
Risiken und Nebenwirkungen
Da für die Behandlung nur Nanogramm-Mengen verwendet werden, wirkt das Toxin nur lokal in unmittelbarer Umgebung der Injektionsstelle. Das Nervengift gelangt nicht in den Blutkreislauf. Allergien sind nicht bekannt. Die lähmende Wirkung ist temporär, sie lässt in jedem Fall nach einigen Monaten wieder nach. Wer sich aber in unerfahrene Hände begibt, muss mit nicht gewollten, schwereren
Lähmungserscheinungen rechnen – solange, bis sich das Toxin wieder abgebaut hat.
Wer kann die Behandlung durchführen?
Da Botulinumtoxin gegen Kopfschmerzen noch in der Erprobungsphase ist, sollten sich Patienten nur Experten anvertrauen - also Neurologen, die mit
Kopfschmerzen und dem Toxin bereits Erfahrung gesammelt haben und die den derzeit laufenden Studien angegliedert sind.
Wer trägt die Kosten?
Die Krankenkassen übernehmen die
Behandlungskosten mit dem Toxin nicht, weil es als Therapie für Kopfschmerzen noch nicht zugelassen ist, die Zulassungsstudien laufen aber gerade. Pro Sitzung muss der Patient mit 300 bis 400 Euro rechnen. Die Wirkung des Nervengifts hält ca. drei Monate, dann muss die Injektion wiederholt werden.