Sinnvolle Impotenz
Und vor allem geschieht es sinnvoll: wenn es keinen Ausweg aus einer passiven Situation zu geben scheint, welchen Sinn hätte es dann, ein Powerhormon wie Testosteron freizusetzen? Der Organismus tut das einzig Sinnvolle mit rücksichtsloser Unerbittlichkeit: er fährt das Powerniveau herunter, denn es ist im Moment offenkundig nicht gefragt (Reduzierung des 'freien Testosteron') und er erleichtert die soziale Anpassung des Betroffenen (Erhöhung der Östrogenproduktion, oft durch Bauchfettaufbau). Allerdings, das sei jetzt schon gesagt (als Trost), er kann das Powerniveau auch wieder hochfahren und wieder mehr Biss entwickeln (Testosteron aus Bindungen freisetzen und Bauchfett, Östrogene, reduzieren)!Biologisch wäre es ja auch nicht übermäßig sinnvoll, wenn sich ein "Halb-Männchen" fortpflanzen würde! Dieses Privileg gebührt nur den Alpha-Power-Männchen, normalerweise. Es ist eine relativ neue Entwicklung, die unserer Spezies Mensch vorbehalten ist, zum Zweck der Konfliktvermeidung Kleingruppen (Familien) zu schaffen, die auch den untergeordneten Halb-Männchen Fortpflanzung erlaubt. Ob sich dieses "Softie-Modell" biologisch bewähren wird, ist noch fraglich. Schließlich ist die Menschheit noch relativ jung und noch jünger ist die Institution der Ehe. Möglicherweise führt diese vergleichweise unbiologische Strategie dazu, daß sich unsere Spezies 'tot siegt' - d.h. an den Folgen der Überbevölkerung scheitert.
Diese Sichtweise stößt in aller Regel in unseren Tagen, in denen Männer eher als Teddybärchen fungieren sollen (hübsch anzusehen und bequem zu regieren, sprich: manipulieren) natürlich auf brüske Ablehnung. Theoretiker akademischer Provinienz glauben neuerdings (seit ca. 100 Jahren), die jahrzehntausendelange biologische Entwicklung der Menschheit mit einigen Psycho-Tricks und opportunen Umdeutungen wegfegen zu können. Das Motto lautet: "Wir denken uns den Menschen so, wie wir ihn gerne hätten - und schon ist er auch so".


