Die unterschiedlichen Verläufe bei MS

Um die individuellen Unterschiede besser zu verstehen und einen geeigneten Behandlungsplan aufstellen zu können, wird die MS oft in Gruppen eingeteilt. Die am meisten benutzte Klassifikation schließt folgende
Krankheitsformen ein:
- Schubförmig = rezidivierend-remittierend. Typisch für diese Form der MS sind klar unterscheidbare akute Schube, entweder mit völliger Genesung (Remission) oder mit bleibenden neurologischen Symptomen und einer gewissen Behinderung nach der Genesung. Zwischen den Rückfällen (Rezidiv oder Schub) verschlimmert die Krankheit sich nicht. Man nimmt an, das 80% der MS-Fälle so beginnen. Mit der Zeit kann der Krankheitsverlauf sich ändern; dann gehört der Patient in eine andere Kategorie. Bei etwa 50% der Kranken wird die MS nach dem Rückfall progredient. Dann nennt man sie:
- Sekundär-progredient. Diese Krankheitsform beginnt zunächst schubförmig. Dann folgt eine Progression (Verschlimmerung) in unterschiedlichem Tempo, bisweilen mit gelegentlichen Rückfällen und kleineren Remissionen. In etwa 10% aller Fälle verschlimmert sich die MS sofort nach Beginn und heißt dann:
- Primär-progredient. Hier verschlimmert sich die Krankheit von Anfang an, ohne Plateaus oder Remissionen oder nur mit gelegentlichen Plateaus und zeitweiligen kleineren Besserungen. Dieser Typ tritt häufiger bei Menschen auf, die nach dem 40. Lebensjahr erkranken. In etwa 5% aller Fälle beginnt die MS progredient und die Schwere der Symptome schwankt immer stärker. Dann heißt sie:
- Progressiv-rezidivierend. Bei diesem MS-Typ setzt die Progression sofort ein, und zwar ohne klare, akute Rückfälle denen mitunter eine gewisse Besserung folgt
Zwei Punkte sind wichtig. Erstens: Mehr als zwei Drittel aller MS-Kranken können 20 Jahre nach der
Diagnose noch gehen. Die Annahme, MS sei eine progressive Krankheit, die unweigerlich in den Rollstuhl führe, trifft also meist nicht zu. Zweitens: Selbst bei Patienten mit einer "progredienten" MS verschlimmert sich die Krankheit ab einem bestimmten Punkt nicht mehr. Da viele MS-Experten das Progressionspotenzial der Krankheit so sehr fürchten, vergessen sie oft, dass die Krankheit nicht immer progressiv ist. Etwa 20% der
MS-Kranken bleiben relativ stabil. Warum das so ist, wissen wir nicht, trotz langwieriger Studien über Ernährung, Lebensweise und andere Faktoren. Das bedeutet aber auch, dass rund 80% der Patienten eine intensivere
Behandlung brauchen.