MS: Einige medizinische Ätiologiemodelle

Autoimmuntheorie
Für eine starke Beteiligung des Immunsystems bei MS sprechen eine Vielzahl von immunologischen Befunden. Die meisten Autoren, die sich mit dieser Frage beschäftigen, gehen zur Zeit davon aus, daß die Störung bei MS in der T-Zellpopulation liegt. Möglicherweise haben die T-Helfer- oder die T-Suppressor-Zellen des Immunsystems der Betroffenen einen Defekt.Slow-Virus-Hypothese
MS wird schon lange aufgrund der entzündlichen Herde mit Infektionen in Verbindung gebracht. Die Hypothese besteht darin, daß ein Virus bereits in der Kindheit in den Bereich des Nervengewebes gelangt und dort nach jahrelanger Regungslosigkeit, eine chronische Abwehrreaktion auslöst. Womöglich unterdrückt das Virus auf Dauer die T-Suppressor-Zellen. Gegen die Slow-Virus-Hypothese spricht allerdings, daß es auch Kleinkinder mit der Erkrankung an MS gibt. Lange Zeit war dies von Neurologen ausgeschlossen worden, dennoch erkranken ca. 0,3 bis 2% der MS-Betroffenen vor dem 15. Lebensjahr an MS. 1985 begann unter der Leitung von Prof. BAUER in Göttingen eine Studie zur MS bei Kindern. Bis Ende 1991 wurden 20 Kinder untersucht, von denen im Januar 1992 bei 10 die Diagnose MS gesichert war, bei weiteren 7 Kindern galt sie als wahrscheinlich. Besonders der jüngste MS-Betroffene widerlegt mit seinem Erkrankungsalter von gerade drei Jahren die langjährige Latenzzeit bei der Slow-Virus-Hypothese.Genetische Faktoren
In Familienstudien zeigte sich ein erhöhtes Krankheitsrisiko für die Familienangehörigen der MS-Betroffenen. Die Verteilung des erhöhten Risikos für die verschiedenen Verwandtschaftsgerade ist aber für Erbkrankheiten im engeren Sinne untypisch. Ein gemeinsamer Umweltfaktor kann daher ebenfalls vermutet werden (das höchste Risiko haben die Geschwister der Betroffenen, 20-fach, gefolgt von den Eltern, 12-fach, den eigenen Kindern, 10-fach, und anderen Verwandten, 8-fach). In den Zwillingsstudien weisen höhere Konkordanzraten bei eineiigen Zwillingen auf eine genetisch mitdeterminierte Immunpathologie hin.Die Konkordanzrate bei eineiigen Zwillingen beträgt für die lesen Sie weiter


