MS: Symptomatische Therapie und Nachsorge

Die symptomatische Therapie der MS spielt in der alltäglichen Praxis eine wichtige Rolle. Sie hat das Ziel, bestehende neurologische Defizite soweit wie möglich zu verbessern. Für die aktuelle Lebensqualität ist die
symptomatische Therapie entscheidend. Nicht alle Symptome sprechen auf eine Therapie an (z.B. Paresen). Bei Spastik, Ataxie und Blasenstörungen muss die Gabe von Pharmaka durch physiotherapeutische Maßnahmen ergänzt werden, um die Dosis der jeweiligen
Medikamente reduzieren zu können.
Spastik (häufigstes Symptom im Gesamtverlauf der MS)
- Allgemein: ggf. Behandlung von Fieber, Infekt, Blasen-Darm-Funktionsstörung
- Physiotherapie: Stretching, aktive und passive Bewegung, Kühlen, Geh- und Stützmittel, Hydrotherapie, Prävention von Kontrakturen.
- Medikamentös: Baclofen, Tizanidin, Dantrolen, Tetrazepam, Diazepam, Memantin; einschleichende Dosierung, Nebenwirkungen beachten.
Blasenentleerungsstörung
Miktionsstörungen sind im Gesamtverlauf der Erkrankung bei mindestens 90% aller Patienten vorhanden und können das
Krankheitsbild der MS in besonderer Weise prägen. Die erste Maßnahme besteht aus einer ausführlichen Anamnese (Trinkmenge, Miktionsfrequenz, imperativer Harndrang, relative Inkontinenz, Starthemmung, autonome Blase, Urinbeschaffenheit, schmerzhafte Miktion) und später folgt gegebenenfalls urologische Funktionsdiagnostik (Uroflowmetrie und Restharnbestimmung), um unterschiedliche Ursachen voneinander abzugrenzen.
Ataxie und Tremor
Ständiges Training, optische Kontrolle, Konzentration, ergotherapeutische Maßnahmen, Anbringen von Gewicht/Manschetten können diese Symptome deutlich lindern. Bei Haltetremor können Betablocker hilfreich sein. Intentionstremor ist noch therapieresistenter als der Haltetremor.
Verstärkte Ermüdbarkeit
Gezielte Aufklärung der Patienten und der Umgebung über das Symptom "verstärke Ermüdbarkeit" und seiner Beziehung zu der Körperkerntemperatur. Motivation zu regelmäßiger
körperlicher Aktivität und zur Beschäftigungstherapie, Vermeidung üppiger Mahlzeiten, Vermeidung von Frustration, verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Behandlung eines depressiven Syndroms (ca. 20% der MS-Patienten).
Schmerzen
Schmerzen verursachen einen nicht unerheblichen Leidensdruck bei zahlreichen MS-Patienten. Einige Schmerzenformen sind primär
MS-bedingt (z.B. Trigeminusneuralgie, quälende Missempfindungen. Weitaus häufiger sind sekundäre Schmerzen als Folge der MS-bedingten zunehmenden Behinderung (Haltungsstörungen der Wirbelsäule z.B. durch spastische Kontrakturen und Gelenkversteifungen).
Rehabilitation und Nachsorge
Umfassende Rehabilitation und Nachsorge (comprehensive long-term management) ist eine grundlegende Voraussetzung für eine effiziente Behandlung vom Beginn bis zu fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung. Nicht nur die Aufklärung und
medikamentöse Therapie des Grundleidens sind wichtig, sondern auch die Bewertung des physischen und psychischen Allgemeinzustandes und der Lebensbedingungen. Eine effiziente Hilfe für
MS-
Betroffene setzt die konstante Kooperation von behandelnden Ärzten, Physiotherapeuten, Ergo- und Psychotherapeuten und besonders Sozialarbeitern mit den Nahestehenden des Betroffenen voraus. Der Betroffene soll nicht als passiver Patient eine Behandlung über sich ergehen lassen, sondern aktiv an der Verbesserung seiner eigenen Möglichkeiten und Gestaltung seiner Umgebung mitarbeiten.